Die älteren Kriscntheorien.
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zwischen Angebot und Nachfrage kann kein absolutes sein; die kleinen Schwankungenstören aber nicht viel, solche Vibrationen gehören zur wirtschaftlichen Entwickelung. Indie großen Störungen aber (Erhöhung der Produktionskosten, Stockung des Absatzes)muß der „leitende Staatsmann" regelnd, helfend, Absatz und Luxus ermunternd, Aus-und Einfuhr beherrschend eingreifen.
Die Krisen und Stockungen von 1780 —1815 hatten eine lebendige öffentlicheMeinung und eine theoretische Spekulation über das Problem geschaffen. Die erstereführte das, was man als Überproduktion empfand, auf die Maschinen zurück, klagteüber die zeitweise Arbeiterentlassung. Dieser Auffassung trat die abstrakte Naturlehreder Volkswirtschaft gegenüber. I. B. Sah, James Mill und Ricardo warenihre Wortführer, Im einzelnen abweichend, in den Hauptpunkten übereinstimmendlehrten sie im Anschluß an Tucker und die Physiokraten, daß man in letzter Instanzja doch Produkte stets mit Produkten kaufe, daß, wenn allerwärts gleichmäßig mehrproduziert werde, keine Überproduktion entstehen könne, da das Plus an einer Warestets einen Gegenwert in einer anderen finde, daß wenn irgendwo partielle Überproduktionstattfände, das in einer partiellen Unterproduktion an anderer Stelle oder in zufälligenäußeren Ereignissen, wie Mißernte und Krieg, seine Ursache habe, daß der als Kapitalverwandte Teil des Einkommens stets den Reichtum des Landes hebe, daß wenn kleineAdsatzstörungen vorkämen, die natürliche Ordnung der Dinge rasch das Gleichgewichtherstelle. Die Lehre von den „Absatzwegen" erschien bei Sah und seinen Nachfolgerngleichsam als der Mittelpunkt ihrer ganzen Harmonistischen Theorien; sie wollten zu»gleich mit ihrer Lehre alle Staatseingriffe abhalten, alle Schutzzölle bekämpfen, jenerForderung entgegentreten, welche die Maschinen im Interesse der Arbeitsgelegenheitverbiete. Sah und Ricardo haben freilich dann bei näherer Untersuchung der Dingeihren Gegnern in den späteren Auflagen ihrer Schriften große Konzessionen gemacht, dieihre optimistische Lehre stark einschränkten. Aber ihre liberalen Nachtreter blieben doch bisheute in ihren Wegen. Das Richtige an ihrer Theorie war, daß auf die Dauer, nach Jahrenund Jahrzehnten betrachtet, naturlich Produktion und Konsumtion sich immer wiederzuletzt die Wage halten; der Streit war nur, ob das Gleichgewicht so leicht, so raschsich herstelle, wie groß die Störungen, und was ihre Ursachen seien. Es sei noch bei-gefügt, daß der Streit sich natürlich nicht darum drehte, ob eine abstrakt-objektiveÜberproduktion möglich sei, d. h. eine solche, welche auch bei billigsten Preisen, günstigsterEinkommensverteilung und normalstem Verkehrsmechanismus nicht Absatz finde. Einesolche hat nie irgend jemand angenommen, auch kaum eine solche, die in allenZweigen der Produktion ganz gleichmäßig stattfinde; man sah stets, daß die Erscheinungvon einzelnen Zweigen ausgeht; man nannte sie nur eine allgemeine, wenn sie dengrößeren Teil der Volkswirtschaft mehr oder weniger in Mitleidenschaft zog.
Die ersten Gegner der Say-Ricardoschen Theorie waren der von R. Owen an-geregte Malthus und der socialpolitisch fühlende Sismondi , beide nicht so opti-mistisch, nicht so doktrinär wie Say und Ricardo, beide realistische Beobachter des Lebens.Der erstere sagt, wie es Übervölkerung giebt, so stellt sich leicht Überproduktion ein,rmd zwar durch zu starke Kapitalansammlung in den Händen der Reichen; überall inder Volkswirtschaft müssen die rechten Proportionen der untereinander verbundenenElemente herrschen, und daran fehlt es oft heute. Sismondi klagt die Plan- undRegellosigkeit der modernen Produktion an, welche partielle Überproduktion erzeugen.Dem Satze Ricardos, daß wenn Land- und Tucharbeiter beide gleichmäßig ihre Pro-duktion vermehrten, sie beide untereinander auch das Plus tauschten, wirft er die be-rechtigte Frage entgegen, ob denn ländliche Arbeiter, wenn es ihnen gut gehe. Plötzlichentsprechend mehr Röcke, Tucharbeiter plötzlich ebensoviel mehr Brote begehrten?Aber nicht bloß eine partielle, sondern eine allgemeine Nichtübereinstimmung von Pro-duktion und Nachfrage gebe es; sie folge aus der Ungleichheit der Einkommensverteilung,dem Lohndruck, dem heutigen System der freien Konkurrenz; das rücksichtslose privat-wirtschaftliche Gewinnstrebcn erzeuge leicht eine falsche Produktion, da sie nicht durch denBedarf, sondern nur durch den augenblicklichen Preisstand und die Gewinnmöglichkeit