Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die verschiedenen Arten volkswirtschaftlicher Schwankungen und Krisen.

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Änderungen, als sociale Notstände, als handelspolitische Machtverschiebungen bezeichnen.Jedenfalls muß man sich darüber klar sein, daß der Untergang des englischen Bauern-standes, daß das Verschwinden der Handspinnerei und -Weberei von 17801870 etwaswesentlich Anderes ist, als die Handelskrisen von 1825, 1857, 1873.

Bleiben wir nun bei diesen, und lassen wir den Einfluß, welchen die Ernten, dieSeuchen und die oben erwähnten wirtschaftlichen Verfassungssragen und Machtverschie-bungen auf sie ausüben, beiseite, so handelt es sich um periodisch wiederkehrende Er-scheinungen der neuen arbeitsteiligen Volkswirtschaften, die sich regelmäßig in Aufschwung,Krise und Niedergang gliedern. Ihren Ausdruck finden sie in psychischen Massen-zuständen, die zwischen Optimismus und Pessimismus wechseln, und in Anläufen zuWirtschaftlicher Mehrproduktion und -konsumtion, die in gleichem Tempo sich nur einigeJahre fortsetzen, dann in Stockung geraten, in der Krise zu allgemeiner Lähmung desVerkehrsmechanismus führen, in der Depression, in einer Jahre dauernden Verlang-samung, teilweise Verkümmerung des volkswirtschaftlichen Lcbensprozesses endigen. Esfind Erscheinungen, die überwiegend der Industrie, dem Handel, dem Bank- und Kredit-wesen, der Börse, nur zum geringeren Teil der Landwirtschaft angehören, die aber durchdie Preisveränderung, durch die Rückwirkung auf das Einkommen und sonst bald größere,bald nur kleinere Teile der Volkswirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.

In ihren wesentlichen Symptomen zeigen sie so übereinstimmende Züge, daß wiroben eine typische Schilderung ihres Verlaufes geben konnten. Aber immer weisen sie imeinzelnen wieder so erhebliche Abweichungen auf, daß man sie in Gruppen klassifizierenund eine historische Veränderung derselben behaupten könnte. Wir werden nachherdarauf zurückkommen, wie sie sich historisch gewandelt haben. Wir verweilen zunächstbei der Krifenklasfifikation, die sich an die einzelnen Ursachen und Hauptorgane,die beteiligt sind, anschließen.

Man hat früher alle derartigen Erscheinungen als Krisen schlechtweg oder alsHandelskrisen bezeichnet; der letztere Name knüpft daran an, daß die Krisen im Ver-kehrsmechanismus, in den Preisen, in der Absatzstockung am deutlichsten zum Ausdruckkommen. Lexis hat nun die reine Warenhandelskrise, die reine Börsen-, die reine Geld-,die reine Kreditkrise den Produktionskrisen als der wichtigsten und verderblichsten Krifen-art entgegengestellt. Auch noch weitere Einteilungen hat man versucht.

Mit dem Zusatzreine" Geld- u. f. w. Krise will man fagen, daß eine solchefür sich vorkommen, aber auch mit einer Produktionskrise sich verbinden könne. Manhersteht unter Geldkrisen Stockungen im Zahlungswesen; es fehlt an Geld infolgevon Edelmetallausfuhr oder von gestiegenem Geldbedarf, der sich an die viel größerenUmsätze anschließt; oder infolge von revolutionären Bewegungen (1848); oder es fehltan gutem Geld, an Vertrauen in die cirkuliercnde Münze. Man versteht unterKreditkrifen Stockungen des Kredits, hauptsächlich des kaufmännischen; wenn vor-her zuviel Wechsel und Noten ausgegeben sind, wenn das Papiergeld stark an Wertverliert, fo tritt leicht ein Mangel an weiterem soliden Kredit ein; alle Zahlungen,viele Geschäfte können dadurch bedroht werden. Man versteht unter einer Kapital-krisis die Erschöpfung an flüssigem Leihkapital, welche die Fortführung der Geschäfte,besonders der neubegründeten, bedroht. Unter Spekulationskrisen begreift mandie Effekten- und Gründungskrisen, die Landspekulation skrifen, dieHandelswarenkrisen. Die Effektenkrisen bestehen darin, daß zu viel Effekten,Aktien, Anleihen ausgegeben wurden, daß ihr Kurs künstlich in die Höhe getriebenwurde, und daß dann die Kurfe plötzlich fallen; besonders ein Übermaß an der Börseausgeführter waghalsiger und schwindelhafter Gründungen führt dazu ; daher auch derName Gründungs- und Börsenkrisis. Wirft sich die Spekulation auf städtischeGrundstücke und Bauten, wie in Wien und Berlin 18701873, in Berlin 18981901,oder auf die überrasche Ausdehnung der Landwirtschaft, ans den Ankauf ländlicherGrundstücke, wie früher oft in den Vereinigten Staaten , heute noch da und dort inKolonialländern, so entsteht die Terrainsp e ku lati ons krisi s. Ist das Gebietder Spekulation aber der Warenmarkt, die Warenpreissteigcrung, arbeitet sie mit künst-