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Kartell- und Regierungspolitik gegenüber den Krisen,
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der Hausse da und dort durch hausindustrielle Reglements gehindert, jedenfalls in derBaisse gegen Arbeiterentlassung und für Warenabsatz gesorgt. Der Überspckulation der1840er Jahre trat der preußische Finanzminister noch mit energischen kalten Wasserstrahlenentgegen. Später siegte auch in Preußen das I^aisser-taire wie anderwärts. Wer andie Nichtexistenz der Überproduktion glaubte, durfte ja auch nichts thun. Delbrück er-klärte als Reichsstaatssekretär im Höhepunkt des Schwindels 1873, der Staat könnedie Leute, die ihr Geld los sein wollten, doch nicht daran hindern, und Camphausenmeinte, als er zur selben Zeit überflüssige Millionen Staatsgelder an die Seehandlungzu minimalem Zins gab und damit die Hausse weiter steigerte, das Geheimnis derFinanzen sei, kein? Zinsen zu verlieren. Die ganze Überproduktion der Jahre 1870—1873 wurde in Deutschland durch die ungeschickte Übertragung der französischen Milliarden Kriegskosten nach Deutschland , die unzeitige zu rasche Kündigung vonStaatsanleihen und die maßlos gehäuften Staatsaufträge sehr gesteigert.
Heute haben wir in der Kommunal- wie in der Staatsverwaltung eine richtigereEinsicht in das Wesen der Krisen, und man handelt dementsprechend richtiger. Über dieThätigkeit der Kommune in Bezug auf Arbeitsnachweis, Arbeitsverschicbung, Notstands-arbeiten, Arbeitslosenversicherung haben wir oben (§ 224) gesprochen und brauchen dasdort Gesagte nicht zu wiederholen. Auch was die Staatsbehörden in Bezug auf diezeitliche Verteilung ihrer großen Aufträge und Bauten zu thun haben, daß sie siemöglichst in die Depressionszeiten zu verlegen haben, wurde dort besprochen und er-wähnt, wie die deutsche Marine-, die preußische Eisenbahnverwaltung jetzt das beherzigen.Im übrigen wird in Bezug auf den Staat zu unterscheiden sein, was er im Höhepunktder Krise, und was er im ganzen für deren Fernhaltung thun könne.
Ist die Krise vor der Thüre oder ausgebrochen, so darf der Staat nicht etwakünstlich im Spekulanteninteresfe die hohen Preise und Kurse halten wollen, die Über-produktion dadurch weiter fördern, die übertriebene Bauspekulation durchfüttern; er darfnicht unsolide große Geschäfte, deren Fall im Interesse der Moral und des Marktesnotwendig ist, halten. Die leitenden Staatsmänner, der Chef der Centralnotenbankmüssen sich klar sein, daß der Umschwung der Preise nötig und zur Gesundung derVolkswirtschaft unentbehrlich sei. Wenn zu viel produziert, zu wenig konsumiert wird,so ist die Einschränkung der Produktion, die Steigerung der Nachfrage durch Preis-ermäßigung das notwendige Hülfsmittel, um das Gleichgewicht herzustellen. Aber esist andererseits ihre Pflicht, die gesunden Geschäftsunternehmungen zu stützen, den über-mäßigen Schrecken zu dämpfen, die Panik zu mildern. Die Regierung kann unter Um-ständen Darlehenskassen errichten, den großen gesunden Banken Staatsgelder auf kurzeZeit anvertrauen. Sie kann große Notstandsarbeiten rasch ins Leben rufen. Auch soweit Handelsverträge und Zollgesetzgebung es gestatten, kann sie durch kleine Hülfen indie Aus- und Einsuhr eingreifen. Freilich unterliegt das immer dem Bedenken, daßdie anderen Staaten Ähnliches verfügen, was uns dann schadet.
Wichtiger bleibt immer, daß die ganze Handels- und Wirtschaftspolitik von weiterHand her die Auf- und Niedergangsbewegungen verfolgt und in rechter Weise zu be-einflussen sucht. Sie hat in ihrer Finanz-, Anlehens-, Geld-, Notenpolitik, in ihrerEisenbahn-, Tarif-, Verkehrspolitik, in ihrer Kolonisations- und Domänenpolitik, inihrer Aus- und Einwanderungspolitik, in ihren großen Bauten und in ihrer sonstigengroßen Natural-(z. B. Militär-)vcrwaltung, in ihren eigenen großen Betrieben eineSumme von Mitteln, die auf den Gang der Volkswirtschaft bestimmend wirken.Sie kann gewiß weder die Hausse, noch die Baisse ganz hindern, aber sie kann beidesehr verstärken und wieder sehr mildern. Sie ist vor allem durch ihre auswärtigePolitik, durch die Zoll- und Handelsverträge dafür mit verantwortlich, ob der Exportwächst, stillsteht, abnimmt, ob der Import uns fördert oder schadet, sie hat es damitbis auf einen gewissen Grad in der Hand, wie die ganze internationale Arbeitsteilungsich gestaltet, ob sie auf fester dauernder Grundlage sich aufbaue oder jeden Tag bedrohtsei. Und das ist für die älteren Kulturstaaten heute einer der wesentlichsten Punkte.Leicht sind gewiß diese Aufgaben nicht. Die parlamentarische Maschine, das Etatsrecht,