Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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566 Viertes Buch. Tie Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. ^1024

heitlichem Befehl kommenden Fremden können nur landen, Markt halten, verkaufen,wenn ihnen durch Sitte oder Vertrag ein zeitweiliger Aufenthalt erlaubt wird, wennman ihnen Schutz, Wergeld, ein fogenanntes Gastgericht eingeräumt hat, wenn sie dafürGebühren zahlen, Geschenke machen, sich Preistaxen, oft auch einer Warenschau unter-werfen, kurz, wenn eine Summe von Beschränkungen der alten Rechtlosigkeit derFremden eingetreten ist. Aber ebenso häufig verlangt man, daß sie nach bestimmterFrist wieder abziehen; man will ihre dauernde Festsetzung nicht, weil sie leicht zurFremdherrschaft wird. Man läßt nur gewisse, für unschädlich gehaltene Waren zu, oderverlangt solche Geschenke und Abgaben, daß das Geschäft unmöglich wird. Und je stärkerder Frcmdenzufluß ist, je umfangreicher ihre Geschäfte werden, desto allgemeinere Gefahrenverbinden sich damit, Gefahren, die leicht viel bedeutsamer erscheinen als der Vorteildieses ganzen Verkehrs.

Der Fremdkausmann wird nicht bloß leicht ein harter Gläubiger und zuletzt eindauernd sich festsetzender Tyrann; er und sein Verkehr bedrohen die ganze Ver-sassung, die Sitten und Lebensgewohnhciten der Stämme, die sie besuchen. Der Ver-kehr mit sremden Händlern, zumal mit solchen einer viel höheren Kultur, mit ganzanderen Sitten, auch mit ganz anderen Lastern, mit ganz anderen Religionsvorstellungenlöst leicht das ganze psychische und sittliche Gesüge einsacher Stämme auf, erzeugt unterUmständen eine Erschlaffung der vorhandenen Spannkräfte, eine Unbestimmtheit imEntschlüsse und im Handeln, die leicht sehr schädlich wirken. Der Europäer, der oftzuerst nur Spiritus, Schießpulver und Syphilis zu den rohesten Stämmen brachte, hatihnen meist viel mehr durch den zu großen Kulturgegensatz geschadet als genützt.Vor allem aber zerstört leicht die Einführung billiger Waren der höheren Kultur einebereits entwickelte Technik und schadet so unendlich. Th. Waitz weist nach, daß dieJndiancrstämme durch europäische Waren ihre alte Kunst der Kupferbereitung und vieleandere Geschicklichkeiten verloren. Schweinsurt zeigt das Gleiche für die Negervölkerund ihre Eisenbereitung, für die sämtlichen nordafrikanischen und muhamedanischenStämme und ihren ganzen Gewerbfleiß. Manche amerikanische Jndiancrstämme, diefrüher Jagd und Ackerbau verbanden, haben durch den Pelzhandel mit den Europäernund seinen vorübergehenden Gewinn erst die Jagdtiere in ihrem Gebiete erschöpft unddann gemerkt, daß sie auch den Ackerbau verlernt hatten; sie sind verarmt, an Zahlsehr zurückgegangen (Th. Waitz). Die blühenden malaischen Reiche, welche zur Zeitder Ankunft der Europäer eine erhebliche Kunstsertigkeit und einen eigenen Handel be-saßen, sind fast alle durch diese Berührung zurückgegangen und verfallen; nur ein kleinerTeil des Handels blieb in malaischen Händen.

Daher hat überall, wo ein lebendiger Stammes- und Staatszusammenhang, eineweitsichtige Regierung vorhanden war, sich eine Reaktion gegen die Fremdenzulassung gebildet,die im ganzen durchaus berechtigt und heilsam war, so oft sie im einzelnen übers Zielhinaus schoß und zu Engherzigkeit, ja zu barbarischer Vertreibung und Tötung der Fremdenführte. Häufig kommt es zu einer die Fremden benachteiligenden, ja ausschließenden Politik,aber erst nachdem sie vorher lange zugelassen waren, nachdem die ungünstigen Folgen sichgezeigt, eine starke Volksleidenfchaft sich gegen sie gebildet, die Anfänge eines eigenenHandels Schutz gegen die Fremden verlangt haben. So ist wohl die Ausschließungder Fremden im alten Ägypten erst in einer Epoche relativ hoher Kultur eingetreten;die Griechen haben die phönikischen Kolonien an ihren Küsten Vertrieben, nachdem sie sieJahrhunderte lang geduldet. Die Japaner kamen 1550 zuerst mit Europäern, denPortugiesen, in Berührung; Fortschritte im Handel und Schiffsbau waren zunächst dieFolge. Aber von 1634 an bis 1853 überwog die Absperrungspolitik; man verbotzuerst den Ausländern in Japan zu landen, den Japanern ins Ausland zu fahren.Es kamen dann gewisse Ausnahmen sür die Holländer und die Chinesen, die Be-schränkung des Fremdhandels aus gewisse Quantitäten, auf einen Hafen, Nagasaki , bisMitte des 19. Jahrhunderts der Umfchwung zu einer freien Fremdenzulassung erfolgte.Die englische fremdenfreundliche Handelspolitik hat erst im 16. und 17. Jahrhunderteinem harten Fremdenrecht Platz gemacht, wie wir noch sehen werden.