Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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568 McrteZ Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.

Karthago) ebenso wie der nach Spanien und den Säulen des Herkules verboten. FünfJahre später setzt ein dritter Vertrag dasselbe für das von Rom einverleibte Kampanienfest. Ein vierter (etwa 306 v. Chr.) hat nach Meltzer im ganzen Ähnliches enthalten,macht aber doch dem römifchen, seither gestiegenen Handel etwas mehr Zugeständnisse:Rom soll nicht in sizilische, Karthago nicht in die italischen Verhältnisse eingreifen, Korsika von keinem der beiden Kontrahenten befetzt werden.

Wir fehcn, es ist eine auf maritime Macht gestützte, die Konkurrenten beseitigendeoder einschnürende Handelspolitik: Karthago will seinen Stapel vermehren; es willbillig allein in Spanien und sonst einkaufen; feine Kunden sollen teuer allein inKarthago, nicht etwa in Utika und andern Bundesstädten einkaufen. Eratosthenes , derVater der Geographie (273194 v. Chr.), erzählt, daß die Karthager jeden fremdenSchiffer, den sie auf verbotener Straße trafen, ins Meer stürzten. In Karthago warjeder fremde Händler stets, wie später in Venedig, streng kontrolliert. Mommsen ver-mutet, daß Karthago feine Bundesstädte mit Ausnahme Utikas handelspolitischschlecht behandelt habe, und daß deshalb dieselben so viel weniger treu gewesen seienals die Roms. Es war die Klippe aller antiken bundesgenössischen Handelspolitik, auchder attischen, und im Mittelalter der hansischen.

d. Aus der Entwickelung der griechischen Handelspolitik treten uns, soweit wir sie zu erkennen vermögen, die zwei entgegengesetzten Züge aller älteren Fremden-Politik entgegen. Wir sehen einerseits, daß Stammes- und Religionsgemeinschaft, Bündnisseund liberale Verwaltungspolitik in der Aufnahme der Fremden zur Niederlassung inden blühenden jonischen Staaten, hauptsächlich in Athen , einen modernen, humanenZug der griechischen Handelspolitik erzeugen. Aber daneben entsteht auch ein brutalerHandelsneid der konkurrierenden, reich gewordenen Städte untereinander. Die Faktoreien,die Milet, Samos, Agina in Ägypten erwarben, wurden den übrigen griechischen Städtenverschlossen. Das Märchen von der Freiheit griechischen Handels und Verkehrs, dasHeeren im Geiste A. Smiths sich erdacht, hat schon A. Böckh zerstört. Er sagt, dieAthener scheuten keinen Handelszwang, sobald er ihnen vorteilhaft schien. Wo Attikaan fremder Küste Niederlassungen und Märkte gründet, hat die Stadt den dortigenHandel ebenso ausschließlich ihren Bürgern vorbehalten, wie später die Portugiesen, dieHolländer, die Engländer. In einem Vertrag mit Keos bedingt sich Athen aus,die Rötelausfuhr ganz allein betreiben zu dürfen. Mit dem bosporischen FürstenLeukon verabredet Athen Befreiung der attischen Kaufleute von Ausfuhrzöllen undandere Begünstigungen. Die Getreideausfuhr aus dem Schwarzen Meer sucht es ganzin seine Gewalt zu bringen; neben der Zollfreiheit, die die anderen nicht haben, ver-langt es das Recht, seine Schiffe stets zuerst laden, auch in Hungerjahren ausführenzu dürfen. Von allem nach Athen kommenden Getreide mußte Zweidrittel der Ladungin Athen bleiben; attische Bürger durften Getreide nur nach Athen führen. Häufigeund lange Handelssperren kommen vor, spielen bei Ausbruch des peloponnesischen Kriegeseine Rolle. Im Jahre 445 v. Chr. muß Athen in dem es demütigenden Frieden ver-sprechen, Sparta und dessen Bündner (also hauptsächlich Korinth ) nicht mehr vomfreien Verkehr auszuschließen. Bei der Expedition nach Sizilien scheint es sich wesentlichum Zulassung und Nichtzulassung der einzelnen Städte zu dem wichtigen Jndustrie-absatz nach und Kornbezug aus dem Westen gehandelt zu haben. Was die Gleich-stellung der attischen Bundesgenossen in Handelssachen betrifft, so läßt Thukydides den attischen Gesandten in Sparta gegenüber den Klagen der Bündner naiv erklären,es sei recht und sei würdig, daß der Schwächere von dem Stärkeren eingeschränkt werde.Xenophon sagt, die attische Demokratie scheint es vorzuziehen, daß die Bundesgenossennicht wohlhabend werden, sondern nur so viel behalten, um zu leben und zu arbeiten,und damit außer stände sind, an Aufstände zu denken. Über die Fremdenbehandlungsagt derselbe Autor, Athen würde sehr gewinnen, wenn man die fremden Handelsleute,die ihrer Geschäfte wegen nach Athen kommen, auf eine ehrenvollere und gastfreiereWeise behandelte.

Mag die spätere Zeit, in der Xenophon lebte, Athen längst zurückging, eng-