Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Die englische Handelspolitik bis 1600.

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Konkurrenz siegte. Es wurde ihr durch die fremdenfreundliche königliche Politik er-leichtert.

England hatte im ältern Mittelalter wie andere Länder ein die Fremden hartbehandelndes Recht; auch von Stadt zu Stadt hatte das Gilderecht manche Schrankenaufgerichtet. Zumal in London, Bristol u, s. w. galten die gewöhnlichen Verbote desDetailhandels , des Handels von Gast zu Gast, des längeren Aufenthaltes. König,Aristokratie und Klerus kämpften aber dagegen, weil die fremden Reeder, Kaufleute undHandwerker ihnen bessere und billigere Waren lieferten, große Kredite gaben, die zuverkaufenden englischen Rohprodukte besser bezahlten. Die earts, rosrearoria von 1303gab allen Fremden freien Detailverkauf, freies Aufenthaltsrecht und Ähnliches. Eine langeOpposition der Städte knüpfte sich an sie und andere königliche Privilegien; wir ver-folgen deren Schwankungen nicht. Es kam bis zu Aufständen gegen die Fremden-kolonien; aber das Bedürfnis und das königliche Interesse war den Fremden immerwieder günstig; die englischen Bürger waren auch nicht einig; die der kleinen Städtewollten in London direkt mit den Fremden Verkehren, nicht bloß durch den Londoner Bürger. Die heftigsten Kämpfe im Parlament und in den einzelnen Städten, die ihreLokalstatuten gegen die königlichen Privilegien verteidigten, hörten im 15. Jahrhundertnicht auf. Eduard IV. (14611463) machte den ersten Versuch, die fremden Gewerbe-kolonien mit dem einheimischen Gewerbe zu verschmelzen, jene den Städten zu unter-stellen. Seine Konflikte mit den Hanseaten führten zu einem Kriege und Einfällenderselben in England , so daß der König nachgeben, ihnen im Utrechter Frieden wiederalle ihre alten Vorrechte einräumen mußte (1474). Sein Nachfolger, Richard III. , wagte,wenigstens die Italiener in sehr viel engere Schranken zu weisen. Die beiden erstenTudors, Heinrich VII. und VIII. gingen langsam vorsichtig weiter, den wachsendenFremdenhaß zügelnd, die Fremden, die noch viel zu mächtig waren, deren man nichtentraten konnte, langsam etwas zurückdrängend; sie versuchten einen Teil der fremden,hauptfächlich deutschen Kaufleute und Handwerker zu naturalisieren, das Handelsjochder Venetianer abzuschütteln; den Hansen nahm man 1540 einen Teil der für sie sogewinnbringenden Ausfuhr ungeschorener Tücher, um die Fertigmach ung im Lande zubegünstigen.

Erst in der Zeit von 15521597 fällt die Entscheidung: England wird ausdem fremdenfreundlichsten das fremdenfeindlichste Land; es bekämpft die fremde Kon-kurrenz hauptsächlich durch die tief einschneidende Umgestaltung des Fremdenrechtes. Eingroßer englischer Kaufmann, Thomas Gresham , der an der Spitze der Exporteure, derNsieliÄnt aävslltuisrs steht, hat der Regierung dabei die Hand geführt. Die Gleich-stellung der Hansen mit den übrigen Fremden 1552 durch Eduard VI. wurde freilich1554 nochmal durch die katholische Maria widerrufen. Aber Elisabeth hob alle Sonder-rechte der Hansen 1579 auf, und im Anschluß an die hieran sich knüpfenden Streitig-keiten erfolgte die Schließung des hansischen Stahlhofes in London und damit die Ver-nichtung des hausischen Handels nach England (1597). Es war die natürliche Reaktiongegen eine fast 300 jährige Handels- und schiffahrtspolitische Fremdherrschaft, welchehauptsächlich die Italiener und die Hansen unter Verletzung aller Rechtsgleichheit indrückender Weise ausgeübt hatten. Es war begreiflich, daß man nun geneigt war,übers Ziel hinauszuschießen, und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts beschränkteman alle Fremden durch ungünstige Rechtsbestimmungen, höhere Zölle und Gebühren,Verbot alles Detailverkaufes, so in England und Irland , daß jede ernstliche Konkurrenzderselben unmöglich wurde (Montchretien).

Außer mit dem Fremdenrecht hatte man freilich schon längst noch mit zweianderen Waffen zu kämpfen verstanden: einmal mit den kartellartigen Organisationender englischen Kaufleute und dann mit Schiffahrtsgesetzen. Schon im 13. Jahrhundertsehen wir die englischen Könige bemüht, im finanziellen und wirtschaftlichen Interessedie Ausfuhr der wichtigsten englischen Rohprodukte, Wolle, Häute, Butter und Käse,Zinn und Blei so zu organisieren, daß die englischen Kaufleute sie auf staatlich bestimmteStapelplätze, Brügge und Dortrecht, später Antwerpen und Calais bringen und hier

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