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Dic französische Handelspolitik des 16.—18. Jahrhunderts.
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Ordonnanzen einheitlich geordnet worden. Es war diesen Tendenzen entsprechend, daßauch eine staatliche Jndustriepflege von Ludwig XI. bis Richelieu entstand, derenVollendung dann Colbert in dic Hand nahm.
Sie beginnt unter Ludwig XI. mit dem Versuche, in Lyon und Tours eineheimische Seidenindustrie zu schaffen. Man verbot wiederholt im 16. JahrhundertTuche aus Katalonien und Pervignan, 1540 die Sayetterie (Kammgarnstoffe) ausFlandern; man suchte die Einfuhr gewisser feiner italienischer Stoffe ausschließlich überdrei Orte, hauptsächlich Lyon , zu leiten. Neben den Lokal- und Flußzöllen hatte manschon 1305 angefangen, die Aussuhr von Rohstoffen und Fabrikaten aus Frankreich staatlich zu belegen. Eine Reihe verschiedener Zölle sür die Ausfuhr aus den mittlerenProvinzen sucht man im 16. Jahrhundert zur Hebung zu bringen, die Erhebung besser zuordnen; es entstehen daraus die sog. 5 grosses ksrrass, die vereinigten Steuerpachten (1598und 1607), damals etwa 4000, später etwas mehr Geviertmeilen von den 9000 des Reiches,12 der mittleren und nordöstlichen Provinzen umfassend; neben ihnen stehen von da bis1789 die sog. ?roviness rsxutöss 6tranKei-ss, die man nach und nach (von 1667 an) halbin das Centralzollsystem einbezog, und das sog. Mi-anKer elksetik (Elsaß-Lothringen, Frei-häfen), die ganz freien Verkehr mit dem Ausland hatten. Die Einfuhr wurde seitdem 16. Jahrhundert auch langsam mit einigen Zöllen belegt, zunächst mehr noch ausfiskalischen als Schutzzollgründen. Etwas erhöhte Einfuhrtarife von 1632 und 1644mit Schutztendenz hatten keine große Bedeutung, da aller Handel damals stockte. ErstColbert brachte die große hundertjährige Zollreformbewegung 1662—1664 zum Abschluß,die man nur richtig als Glied seiner andern Reformen versteht. Er hat die Finanzenund Staatsschulden zu Redlichkeit und Ordnung zurückgeführt, die Staatspost verbessert,Kanäle, Häfen, Wege gebaut, dem Lande ein einheitliches Handelsrecht, den großenHausindustrien neue bessere Reglements gegeben, die französische Kunst zu nationalerHöhe erhoben. Er wollte auch dem nationalen Handel und dem nationalen Gewerbeeinen großen Ausschwung, einen nationalen Stil geben. Dazu gehörte der freie innereMarkt der mittleren Provinzen. Colbert suchte 1662 die noch vorhandenen Fluß- undLokalzölle soweit es ging zu beseitigen und umgab 1664 die 5 grosses ksi-wss mit einereinheitlichen Außenzollinie, einheitlichen Aus- und Einfuhrzöllen, die den zahlreichenbisher getrennten Zöllen im ganzen entsprachen; der Tarif enthielt keine Verbote; dieHöhe der Zölle war mäßig, niedriger als 1816—1860, meist 5-10°/° des Wertesbetragend. Ein ganz liberales Transit- und Freihafenfystem sollte die Zolleinrichtungergänzen; es kam dann freilich nur partiell zur Durchführung. Das System hattenatürlich den Zweck, die Industrie der inneren Provinzen zu fördern, in den Rivalitäts-kampf mit Spanien und Italien einer-, Holland und England andererseits einzugreifen.Colbert glaubte (wahrscheinlich in unterschätzender Weise), die französische Ausfuhr (vonWein, Salz, Getreide, Branntwein, Leinen u. s. w.) decke seine Einfuhr nur zu V«, unddas könne so nicht fortgehen. Die Hauptmittel der Jndustrieförderung waren nicht dieZölle, sondern Bestellungen, Prämien, Vorschüsse, staatliche Heranziehung fremder Unter-nehmer und Arbeiter. Colbert erreichte einen seltenen Aufschwung der französischen Tuch-und Leinen-, Teppich- und Seidenindustrie, der Produktion von Kohlen, Eisen, Bleiund Kupfer, der Schiffsbauindustrie. Die Handeltreibenden rühmten, daß der Kaufmannvon 1664 an seine Waren nicht mehr persönlich zu begleiten brauche wegen der Ver-einfachung resp, innern Zollfreiheit. Wenn dann Colbert sich von den Industriellendazu drängen ließ, für eine Anzahl besonders englischer und holländischer Waren 1667die Einsuhrzölle ums doppelte und mehr zu erhöhen, wenn bald auch einzelne feine fremdeWaren zur Einfuhr verboten wurden, wenn der französische Tarif von 1667 dasSignal für schwere Zoll- und Handelskämpse wurde, so fragt es sich, ob diese Maß-nahmen richtig waren. Im ganzen lagen sie im Geist der Zeit; die thörichtsten Über-treibungen des nun folgenden Zeitalters gingen mehr von Holland und England aus.Das 1701 verhängte, 1742 stark verallgemeinerte französische Einfuhrverbot sehr vielerManusakte (bis 1786 dauernd) knüpft an den spanischen Erbsolgekrieg an, wovon unten.