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Das englische Schutzzollsystem IK00—1800.
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reiche andere Industrien durch das Verbot derart entwickelt, daß es dann nicht leichtmehr aufzuheben war. Bald kamen, zumal gegen 1700, weitere Einsuhrverbote hinzu,auch für Waren aus anderen Ländern. Walpole ordnete in seinem langen Ministerium,hauptsächlich 1726—1729, das Chaos der Zollgesetze etwas, hob die Ausfuhrzölle für fertigeWaren, manche Einfuhrzölle für Rohstoffe auf, bildete aber zugleich das System derRückzölle, Prämien und Schutzzölle nach allen Seiten weiter aus. Die Rückzölle undPrämien stiegen bis auf die Hälfte der Zolleinnahme; sie waren das große Instrument,um Parlamentsstimmen zu kaufen, Handel und Industrie zu leiten, auch nach Gunstund Willkür Wohlthaten durch die Regierung zu erweisen. Die Sperre von 1678,der Sieg der Whigs über den torystischen Handelsvertrag von 1713 und, das langeWalpolesche Ministerium sind die Höhepunkte der nun bis 1783 immer weiter sichüberspannenden merkantilistischen Schutzpolitik. Und von 1750 bis gegen 1840 hieltendie urteilslose Masse sowie viele Parteiführer und Minister gerade diese Übertreibungenfür die Ursache der englischen Größe, während die späteren größeren nationalen Industriender Baumwolle, des Eisens, der Maschinen und der Kohle fast ohne Schutz, durchnatürliche Ursachen und die Handelsblüte des Landes begünstigt, von 1770—1860emporkamen, und es seit den Tagen A. Smiths jedem Kenner klar war, daß dasunendlich wirre System der Zölle, Prämien, Rückzölle meist an der einen Stelle mehrschadete als an der anderen nützte.
Die englische Getreidehandelspolitik, bis gegen 1400 mehr im Dienst derKonsumenten, hatte im 15. Jahrhundert schon die freie Ausfuhr im Dienste der Grund-besitzer angestrebt; die beiden ersten Tudors hatten öfter wieder die Ausfuhr gehemmt,aber von 1562—1689 überwog freie Ausfuhr, die Elisabeth möglichst auf englische Schiffe konzentrieren wollte, die man je nach dem Stand der Getreidepreise erlaubte.Karl II. schuf einen Getreideeinfuhrzoll, der bei niedrigen Preisen die Zufuhr hemmte.Daneben trat 1689 das Gesetz, das die Getreideausfuhr je nach dem Preisstand mitPrämien förderte. Es war die Konzession an die Grundbesitzer und Torypartei, welchesie für die merkantilistische Politik gewinnen sollte. Da die Getreidepreise bis 1765anormal niedrig in ganz Westeuropa waren, deshalb in vielen Ländern schwere agrarischeKrisen erzeugten, so war die Wirkung dieser Prämien überwiegend günstig für England ;sie sörderten den Ackerbau, ohne zu hohen Preisen zu führen. Alle Sachkenner,A. Aoung, Anderson, Marshall usw. sind einig, daß die Prämien im ganzen heilsamsür England waren, zugleich die heimische Marine förderten, da sie nur für Ausfuhrin englischen Schiffen gezahlt wurden. Als von 1765—1813 die Bevölkerung raschwuchs, und die schlechten Ernten überwogen, versuchte man es wieder teils mit Aus-fuhrverboten, teils mit neuen Gesetzen, welche die Getreideausfuhr erschwerten, dieEinfuhr erleichterten.
Über Zolltechnik und Zolleinheit noch ein Wort. Die älteren Zölle warenwesentlich Ausfuhrzölle auf Rohstoffe und Fabrikate, meist Stückzölle; von Einfuhrzöllenwaren die Weinzölle seit alter Zeit von Bedeutung; 1660 zählte der Tarif schon1700 einfuhr-, 550 ausfuhrzollpflichtige Waren. Der Schmuggel war bis zur Zoll-reform Pitts von 1787 ein maßloser; bis dahin zahlte jede Ware verschiedene Sätzeund Zuschläge mit bestimmter Verwendung. Die Zölle trugen 1665 127 000 F, 17141,4, 1800 7,8, 1809 13,4 Mill. F. Schottland, seit Jacob I. mit England inPersonalunion vereinigt, wurde erst 1707 in die Zolllinie einbegriffen, weil die schottischeRegierung begann, eine eigene, die englische kreuzende Handelspolitik zu treiben. Irland blieb bis 1801 zollpolitisches, von England wie eine auszubeutende Kolonie miß-handeltes Ausland; als seiner Regierung etwas größere Handelsfreiheit im 18. Jahr-hundert eingeräumt wurde, benutzte sie sie sofort gegen England ; daher 1780 Ein-beziehung in die Schiffahrtsgesetze, 1301 in die Zolllinie mit gewissen Vorbehaltenund 1823—1824 volle Vereinigung.
261. Der Merkantilismus; Deutschlands undPreußens Handels-politik bis 1806. Während West- und Nordeuropa einschließlich Rußlands undPolens staatlich und wirtschaftlich 1550—1700 emporkamen, ging Deutschland durch seine
Schmoller, Grundriß der Voliswirtschastslehre, II 1,-0, Aufl, 33