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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. ^1050
1760 433 922 (6103 Schiffe), 1770 593 962 (7898), 1790 1 134 531 (10 053), 18001 466 632 (11 487). Die schottischen Schiffe (1000—2000 mit 60 000—150 000 Tonnen)sind dabei nicht einbegriffen. In den Kriegszeiten waren stets Hunderte, 1810 1500private Handelsschiffe sür den Staat geheuert. Die englische Aus- und Einfuhr betrug1697 7 Mill. F, 1730 16,3, 1770 29,3, 1805 64,6, 1815 96,8 Mill. F (1977 Mill.Mark).
Liegt der Schwerpunkt des englischen Merkantilismus auch in der Schiffahrts-,Fischerei-, Kriegs-, Kaper- und Kolonialpolitik, so ist doch auch die Industrie- undLandwirtschaftspolitik sehr charakteristisch. Das wichtigste Gewerbe war das der Wolle,das an den ausgezeichneten englischen Rohstoff anknüpfte. Vom 14.—17. Jahrhundertwurde sehr viel rohe Wolle nach dem Kontinent ausgeführt, daneben auch ungesärbteund ungeschorene Tücher, die in Flandern und Deutschland fertig gemacht wurden. DieAusfuhr der Wolle hatte man oft schon durch hohe Zölle zu erschweren gesucht; von1614—1638 griff man zu Ausfuhrverboten, zunächst ohne Erfolg. Die Technik desWollgewerbes durch flandrische Meister zu heben, hatte man von Eduard III. an biszu Elisabeth, dann wieder 1680—1700 durch Hugenotten mit Vorteil versucht. Im16. Jahrhundert hatte der handelspolitische Kamps im Lande darüber geschwebt, obman rohe Tücher noch auszuführen erlauben sollte, wie die Kaufleute wünschten, oderob man überwiegend nur fertige hinauslasse, wie die Färber, Fertigmacher und Groß-verleger verlangten. Die Ausfuhr lebender Schafe hatte Elisabeth 1565 verboten. Alsim 17. Jahrhundert neben die Tücher die Kammgarnstoffe traten, sowie die Färbereiund Zubereitung der Wollstoffe immer wichtiger wurden, und als die holländische undfranzösische Wollindustrie einen sehr großen Aufschwung gerade in den neuen Stoffennahm, erschien das englische Wollgewerbe bedroht; und zumal die Ausbildung dersogenannten New-Draperie, der feinern, mehr Leute beschäftigenden, war sür England bisüber 1700 eine Lebensfrage, wie bis über 1750 die Wollindustrie überhaupt das großenationale Gewerbe war. Für 1700 schätzt Davenant den Wert der englischen Wolleauf 2, der erzeugten Wollwaren auf 8, der exportierten Stoffe auf 3—4,3 Mill. A(bei einer Gesamtausfuhr von 3,5—7 Mill. 1617—1710). Daher 1666 das Gesetz,alle Leichen in Wolle zu kleiden, daher von 1688 an die streng kontrollierte Durch-führung des Wollausfuhrverbots, wodurch man die Konkurrenzländer zu schädigen hoffte,daher 1699 die Vernichtung der irischen Wollindustrie durch überhohe Ausfuhrzölle,daher 1700 das Verbot der Einfuhr indischer Seiden- und bedruckter Calicostoffe, daher1718 das Verbot der Auswanderung aller gelernten Wollarbeiter. Und mit daherauch seit 1673 das so sehr wichtige Verbot der Einfuhr der meisten französischen Waren.
Frankreich und England haben im 17. Jahrhundert mehrere Handelsverträgegeschlossen, andere zu schließen versucht, auch vorübergehende Einfuhrverbote warenvorgekommen; als von 1660 an aber die sranzösische Industrie einen großen Aufschwungnahm, die englische Mode die französischen Waren begünstigte, die Wein-, Branntwein-,Linnen-, Papier-, Wollgewebe-, Seidenwareneinfuhr nach England rasch stieg, währendder sranzösische Tarif von 1667 die englische Einfuhr nach Frankreich sehr hemmte, daentstand in England große Mißstimmung und Klage über die ungleiche Bilanz;England, hieß es, verarme; vergeblich zog Ludwig XIV. seinen Freund Karl II. zumKampf gegen Holland herbei, suchte ihn noch durch völkerrechtliche Konzessionen zu ge-winnen. Volk und Parlament haßten Frankreich immer mehr; 1675 schon hatte mander Regierung einen whigistisch großindustriellen Handelsbeirat ausgedrängt, der dasVerbot der französischen Waren sorderte. Im Jahre 1673 knüpfte man an notwendigeGeldbewilligungen sür den König die Bedingung, das Verbot sür französischen Wein,Branntwein, Tuch-, Seide-, Leder-, Gold- und Silberwaren u. s. w. auf drei Jahredurchzuführen. Es hat dann einige Mal hohen Zöllen Platz gemacht, ist aber immerwieder, zumal in den Kriegsjahren, hergestellt worden. Da die Absicht Bolingbrokesund der Tories, das Verbot 1713 durch einen vernünftig billigen Handelsvertrag zu ersetzen,dem Ansturm der whigistischen Fabrikanten im Parlament mit neun Stimmen erlag, bliebes erhalten bis 1786. Schon nach wenigen Jahren hatten sich die Seiden- und zahl-