Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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622
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622 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. ^1080

Rußland ohne Finnland und Asien

Österreich-Ungarn

Mill. Rubel

Mill. fl.

Einfuhr Ausfuhr

Zusammen

Einfuhr

Zlusfuhr Zusamme

18241828

(ohne Polen )

^

107

1831

69

80 149

18441848

(ohne Polen )

170

1847

134

118 252

1861

143 160

303

1860

231

305 535

1871

414 311

725

1378

579

698 1 277

1880

560 476

1 036

1890

651

775 1 426

1890

361 608

967

1900

626 716

1 342

1900

870

1 004 1 874

Nach A. Wagner war der Gesamthandel

(Ein- und Ausfuhr)

in Mill. Mk. i

Großbritannien u. Irland

Deutschland

Frankreich den Bereinigten Staaten

1860

7 510

2 173

3339

2 834

1873

13 046

6 746

5874

5 138

1885

11 680

5 805

5791

5 559

1890

14 980

7 683

6552

7 778

1900

17 548

10 796

7045

10 407

Die Übersicht kann nur ein rohes ungefähres Bild der fortschreitenden Handels-entwickelung geben. Selbst die Zahlen der einzelnen Staaten, welche sich auf den ge-schätzten oder deklarierten Warenwert beziehen, sind nicht ganz vergleichbar: die Aufnahme-methoden, das Geld der Angaben (Papiergeld, Metallgeld), teilweise auch die Landes-grenzen haben sich in den meisten Staaten geändert. Die Gewichtsmengen haben vielfachganz anders gewechselt als der Wert; z. B. stieg in Deutschland der Gesamtverkehr1380-1900 in Geld von 6 auf 10 Milliarden Mark, in Gewichts - Tonnen von30 auf 77 Millionen. Vollends die Zahlenreihen der verschiedenen Staaten sind durchähnliche, aber noch stärker ins Gewicht fallende Ursachen eigentlich nicht direkt ver-gleichbar. Die Ausfuhrwerte sind überall weniger zuverlässig als die besser kontrolliertenEinfuhrwerte. Aber immerhin, gewisse Aufschlüsse lassen sich aus den Zahlen dochgewinnen.

Wir sehen zunächst eine ungeheure Zunahme des Handels 18001900, im Ver-hältnis wie 1:13 in Rußland, 1:1415 in England und Frankreich , 1 :34 inPreußen-Deutschland, 1 :149 in den Vereinigten Staaten . Diese Zahlen lehren un-widerleglich, daß ein großer Teil der wirtschaftlichen Versorgung heute eine internationalegeworden ist; der Handel hätte nicht so wachsen können, wenn nicht der Warenbezugaus anderen Ländern sehr große wirtschaftliche Vorteile hätte; er hätte mit dem Völker-recht und den Merkantilinstitutionen des 18. Jahrhunderts nicht so wachsen können.Was aber das fehr verschiedene Tempo des Wachstums in den sechs Staaten betrifft,so darf man nicht vergessen, daß das stärkere Anwachsen, das Deutschland und dieVereinigten Staaten zeigen, wesentlich auf dem Umstand beruht, daß sie von 1800bis 1850 wirtschaftlich viel weiter zurück waren als England und Frankreich . Denheutigen Rang der Staaten im Welthandel zeigen die vergleichenden Zahlen A. Wagners:Großbritannien setzte 1900 17,5, Deutschland und die Vereinigten Staaten 10,7 und10,4, Frankreich 7,0 Milliarden Mk. um.

Die Veranlassung nun sür das einzelne Land, seinen Außenhandel zu steigern,liegt in sehr verschiedenen Ursachen und entspricht keineswegs bloß dem Grade seinesReichtums oder dem Tempo seines wirtschaftlichen Fortschrittes. Kleine Seestaatenhaben den relativ stärksten Handel, große Reiche, die durch alle Klimate reichen, alleArten Von Bodenschätzen haben, den relativ kleinsten. In gewissem Sinne deutet einstarkes Anwachsen des Handels auf Mißstände, z, B. auf mangelnde Rohstoffe, Erzeund Kohlen, Wolle und Baumwolle, auf mangelnde Nahrungsmittel. Die geographische