Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Der mitteleuropäische Zollverein. Grundgedanken aller Handelspolitik.

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schwierigere wird. Ganz können die besten Handelsverträge da, wo eine Zollunionmöglich und angezeigt wäre, diese nicht ersetzen.

271. Schlußbetrachtung über Handelspolitik, Handelsbilanz,Meistbegünstigung. Blick in die Zukunft. Die ältere Handelspolitik wareine naive, durch die handgreiflichen Interessen der Gemeinschaften und ihrer Herrscherbestimmte. Mit dem Merkantilsystem und der Freihandelslehre entstanden theoretischeFormulierungen in Anpassung an die Interessen und Ideen der Zeit, die mit derPrätension allgemein gültiger Regeln für alle Zeiten und Völker auftraten, auf dieeinzelnen teils paßten, teils ihnen Zwang und Schaden anthaten, in steigendem Maßeaber neben den direkten Interessen anfingen, die Handelspolitik zu beeinflussen. Tie Lehreder Merkantilisten war gedacht vom Standpunkt eines ewigen wirtschaftlichen Kampfesder Länder untereinander, die Freihandelslehre von dem eines ewigen harmonischenFriedens unter ihnen. Die Listsche Erziehungstheorie führte den Gedanken eineshistorischen Stufenganges der Volkswirtschaft in die theoretische Betrachtung ein, demdie Handelspolitik anzupassen sei; aber sie erschöpfte diesen Gedanken nicht, kannte nurdie Erziehungszölle für Schaffung einer großen modernen Nationalindustrie, denen Frei-handel voran gehen und folgen sollte. Die Geschichte ist viel reicher an verschiedenen In-teressen, Gedanken und Staatsbildnngen, an handelspolitischen Mitteln und Institutionen,an Abwandlungen der Handelspolitik, um in diesem Schema auszugehen. Dem wollteunser Standpunkt gerecht werden. Er versucht, an der Hand der Geschichte die Wechselzwischen Kampf und Frieden in der Handelspolitik, zwischen Abschluß und Aufschließung,den Fortschritt in den verschiedenen Mitteln der Handelspolitik, ihren Zusammenhangmit dem Stande der Produktion und des Verkehrs, wie mit der Staatenbildung, denFinanzen und dem Völkerrecht darzulegen. Da wir erst über einzelne Zeiten und Ge-biete abschließende wissenschaftliche Untersuchungen haben, konnten wir freilich nicht vielmehr als bruchstückweise die Hauptphasen und ihre Hauptursachen vorführen. Aber essind damit doch wohl die Grundzüge des handelspolitischen Entwickelungsprozessesfestgelegt.

Wir sehen demgemäß heute in Schutzzoll und Freihandel nicht mehr einePrincipienfragc, sondern nur wechselnde Mittel für die Handelspolitik der Staaten;wir sehen im Schutzzoll nicht mehr ein sicheres Bereicherungsmittel, aber auch nicht mehreine ganz unbefugte Einmischung in die harmonische Naturordnung der Volks- undweltwirtschaftlichen Prozesse. Wir wissen heute, daß die handelspolitisch älteren gesell-schaftlichen Körper von kleinem Umfang an zu immer größeren Staaten und Staaten-bünden sich entwickelten, daß sie mit der Ausbildung stärkerer Staatsgewalten und einerausgebildeten Verwaltung einerseits, mit Arbeitsteilung, Verkehr und Geldwirtschaft,mit wachsendem internationalen Austausch andrerseits immer mehr zu handelspolitischenMaßnahmen kamen, welche die Volkswirtschaft bis auf einen gewissen Grad zu fördern,zu beeinflussen und zu lenken suchten. Wir sahen, daß damit der Staat überhaupt daswichtigste Mittel der Beeinflussung der Volkswirtschaft erhielt. Wir verstehen jetzt,daß, wer jede staatliche Beeinflussung der Volkswirtschaft verurteilt, principiell Frei-händler sein, wer die Volkswirtschaft ganz durch den Staat lenken will, nicht bloßSchutzzöllner sein muß, sondern allen internationalen Handel zu verstaatlichen strebenmuß. Das thut auch der konsequente Socialismus. Nur der inkonsequente oder der,welcher absichtlich die heutige Gesellschaft ruinieren will, kann noch principiell frei-händlerisch sein.

1. Den Grundgedanken aller Handelspolitik werden wir kurz so formulierenkönnen: jeder Stamm, jede Stadt, jedes Land, jeder Staat, sofern er zu Einheit undZusammenfassung der Kräfte kommt, hat eine gewisse Tendenz, auch als wirtschaftlicheEinheit gegen außen aufzutreten, sich gegen stärkere Nachbarn abzuschließen, aufschwächere Einfluß zu erhalten, sie wirtschaftlich zu benutzen. Jede fortgeschrittenerePhase des wirtschaftlichen und staatlichen Lebens, jede Gebiets- und Handelsausdehnung,alle großen Produktionsänderungen, wie andrerseits auch alle erheblichen Rückgänge anMacht, Gebiet und Wohlstand erzeugen immer wieder eine Veränderung in der Wirt-