Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Fortschreitende Erkenntnis und Zukunft der Handelspolitik.

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Bahnen zu lenken. Sie kann dabei zugleich indirekt belebend oder hemmend wirken;aber die nächste und erste Wirkung z. B. hoher Agrarzölle, kann und soll sein, dieArbeitskräste und das Kapital der Landwirtschaft zuzuführen. Man weiß jetzt vielklarer als früher, daß somit jede Änderung an der einen Stelle förderlich, aber auchan einer anderen schädigend, einschränkend wirken muß oder wenigstens wahrscheinlichwirkt. Daher ist man heute überhaupt vorsichtiger als srüher, und mit Recht. Manweiß heute, daß man durch keine Handelspolitik die Grundbedingungen einer Volks-wirtschaft ändern, den Bedarf und Konsum ganz umgestalten, die Produktionsmittelbeliebig vermehren kann. Man fragt sich daher klarer als früher, was möglich, waserreichbar sei, und macht deshalb etwas weniger falsche und übertriebene Experimente.Diejenigen, welche heute in alten Industriestaaten mit großem Fabrikaten- und Kapital-export die Landwirtschaft wieder heben wollen, machen sich, wenigstens wenn sie wissen-schaftlich geschult sind, einigermaßen klar, inwieweit das möglich sei, wie weit dieVerteuerung des Lebens durch Lebensmittelzölle erträglich sei.

Man erörtert heute deshalb, weil man die Schwierigkeiten und Kehrseiten hoherSchutzzölle kennt, wieder mehr die etwaigen Ersatzmittel derselben, z. B. ein System innererPrämien, wie es schon Hamilton vorzog; oder in Bezug aus die leidende Landwirtschaftein großartiges staatliches Auskaufen der Grundbesitzer, die sich nicht mehr halten können,um so neue leistungsfähigere Betriebe mit nicht zu teueren Bodenpreisen zu schaffen.Derartige Mittel finden nur deshalb so wenig Beifall, weil sie gerecht noch schwierigerauszuführen sind, einen noch vollkommeneren Beamtenapparat fordern als Zölle, undweil sie den Finanzministern sehr viel Geld kosten, während die Schutzzölle zugleichdem Staate Geld bringen.

4. Die heutige Welle einer schutzzöllnerischen, kolonienerobcrnden undimperialistischen Handelspolitik wird nicht rasch vorübergehen. Die expansive Politikder größeren Staaten wird ihnen, auch wenn sie mehr widerstrebten, vielfach durch die Ver-hältnisse aufgezwungen. Sie müssen Fabrikate, Menschen, Kapital ausführen, weil es zuHause zu enge wird; und sie stoßen da aus Gebiete, die von Wilden, Barbaren, halbkulti-viertcn Rassen bewohnt, von ganz unzuverlässigen Regierungen beherrscht sind. Wollensie ihren Handel dahin ausdehnen, die tiesstehenden Gebiete höherer Kultur zuführen, sichAbsatz sichern, so müssen sie sie häufig irgendwie unter ihre Kontrolle bringen. Erstnach einer neuen Konsolidierung des heutigen Staatensystems wird daher diese Politikder Expansion und des Kampses der Mächte um Absatz, Einflußsphäre, Kolonien, Be-zugsgebiete wieder mehr zurücktreten. Bis dahin werden wir Wohl noch große Kämpfe,vielleicht auch große Veränderungen der Macht- und Besitzverhältnisse erleben. Dannaber wird wieder ein beruhigterer Zustand und daher eine mehr sreihändlerische Epochekommen. Auch dieser neue, wie der heutige Zustand internationaler Beziehungen, wirdaus einem Kompromiß nationaler Macht- und Jnteressenbethätigung und völkerrechtlicherverkehrserlcichternder Fortschritte bestehen. Wie in den Einzelstaaten über die Klassen-kämpse nur durch Vernunft und Mäßigung, so ist über die großen Kämpfe der Völker,ihrer Volkswirtschaften, ihres Handels nur durch den gleichen Fortschritt hinaus-zukommen. Es ist hier schwieriger, weil hinter dem Völkerrecht und den Staats-verträgen keine absolut zwingende Macht steht. Aber je mehr die wirtschaftliche Völker-gemeinschaft wächst, je mehr sie durch eine steigende Summe von Verträgen aller Artgeordnet ist, desto mehr wird doch gegen die brutalen, ungerechten, gewaltthätigen Mittelder Handelspolitik der gemeinsame Widerstand wachsen, wie das heute schon in breiterWeise gegen srüher geschehen ist. Die Mißhandlung der Schwachen, wenigstens soweit sie nicht im Interesse des Fortschrittes nötig ist, wird nach und nach noch mehrzurücktreten.

Die Nächstliegenden Fortschrittevon Kolonienverteilung, Zollvereinen undÄhnlichem abgesehen ^ werden aus dem Gebiete der internationalen Handelsverträge,ihres Inhalts und ihrer Form liegen. Man wird suchen müssen, über versteckte Ver-günstigungen, die eine anständige loyale Konkurrenz erschweren, sich international vielmehr als bisher zu einigen. Wie man sich über die Abschaffung der Zuckerprämien