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Wiedergabe der Sitzungsberichte zu liefern. Ihre uothgedruugen schleunigeund summarische Berichterstattung kann UnVollständigkeit uud Irrthümergar nicht vermeiden. Letztere figurireu bei diesen Materien sogar nichtselten iu den uncorrigirten Manuskripten der Stenographen, ans welchendie Berichterstatter noch im besten Falle zu schöpfen haben; ja sogar dieim Druck amtlich herausgegebenen stenographischen Berichte des Reichstagssind nicht vor siunstörenden Druckfehlern bewahrt, uud diese sür dieGeschichte der Gesetzgebung wichtigen Ununden entsprechen im Punkte derkorrekten Herstellung nicht ganz ihrer Bestimmung. Vor Allem aber kommensie deu Weuigsteu zu Gesicht.
Es scheint daher im vorliegenden Fall angezeigt, die jüngsten Ver-handlungen über Münz- und Bankwesen iu einer sorgfältig durchgesehenenuud vollständigen Znsammenstellung zu veröffentlichen.
Seit Mai 1879 war eine gesteigerte Unsicherheit darüber aufgekommen,ob die von der Reichsregierung plötzlich angeordnete Sistirung der Thaler-einziehnng uud der Silberverkäufe die Absicht verrathe, iu Sachen desMünzgesetzes eine organische Veränderung vorzubereiten.
Die Art der Beantwortung, welche der behufs zu erzielender Auf-kläruug im Juni 1879 gestellten Interpellation zu Theil geworden war,hatte diese Beunruhigung gesteigert, uud dazu trat nenerdings der that-sächliche Umstand, daß die Reichsregierung, im Gegensatz zu dem seitSchaffung des Münzgesetzes (Juni 1873) eingehaltenen und auch natür-lichen Geschäftsgang, für die Dauer der ganzen Budgetperiode 1880/81auf die Mittel zur weiteren Durchführung der Münzreform verzichten zuwollen erklärte. Mußten Angesichts solcher Vorgänge schon starke Be-denken aufsteigen, fo konnten dieselben uur verstärkt werden dnrch dasHervortreten einer gewissen Agitation, deren Feldgeschrei, wie ehedem gegendie Handelspolitik, so jetzt gegen die bestehende Münzgesetzgebung gerichtetwird. Zu Frankreich wirft sich jede neue Parteiregierung darauf, dasPersonal ihrer Vorgänger zn entlassen und die Namen von Straßen undAnstalten, die an die Vergangenheit erinnern könnten, umzumodeln. InDeutschland tritt au Stelle dieses vergleichsweise harmlosen Vergnügensbei der siegenden Reaktion das Verlangen, die ganze Gesetzgebung dervorausgegangenen Periode wieder auszustreichen. An diese Bestrebungeneiner gauz abstrakten Parteiwuth hängt sich seit der heftigen Erneuerungder wirthschaftlichen Kämpfe ein abenteuerliches Preßtreiben, welches durchphantastische Umwandlung des Geldwesens eine Art Lösung der sozialenFrage herauszuzauberu verspricht. Mit Hilfe der Staatskunst würdedanach ein massenhafter Vorrath von Tauschmitteln beschafft, welche,wenn nicht als Gold- so als Geldregen — sei es in Silber oder nochbesser in Papier — auf Alle sich ergießen, alle Gebiete befruchten, alle