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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Schulden tilgen und allen Menschen zur Befriedigung ihrer Wünsche ver-helfen sollen. Zu diesem Stürmen und Drängen gesellen sich schließlichetliche Kenner oder Liebhaber des Münzwesens, die in der allerdingsschwierigen und ernsten Controverse zwischen Gold- nnd Doppelwährungauf Seiten der letzteren stehen; ein Standpunkt, der an sich Niemandverdacht werden kann, dem aber mit besonderen Vorbehalt entgegen-zutreten ist, wenn er, wie bei uns vielfach geschieht, sich auf die Autoritätauswärtiger Zeugen beruft, deren Berufenheit starken Zweifeln unterliegt.Viele dieser auswärtigen Zeugeu dienen nämlich ganz offenkundig Privat-interessen, andere wieder gehören in eine Kategorie von Schriftstellern, diein ihrem eigenen Vaterlande kein ernster Mann von Fach für voll nimmt,die aber, sobald sie dem deutschen Publikum vorgeführt werden, eineehrfurchtsvolle Aufnahme finden.

Das Zusammenwirken aller dieser Elemente hatte in den Regionender Gesetzgebung und der Verkehrsbeziehungen so viel Unsicherheit verbreitet,daß eS Noth that, etwas Licht zu schaffen. Eine beruhigende Aufklärung istbis zu einem gewissen Grade für den Augenblick erlangt worden, aber nochlange uicht volle Sicherheit für eine allen Gefahren vorbeugenden Führungder Dinge.

Die Leitung der Reichsbank hat in allem, was auf diesem Gebieteseit mehr als Jahresfrist vorging, einen so überwiegenden Einfluß aus-geübt, daß es schon deshalb nöthig war, sie in den Bereich der parlamen-tarischen Auseinandersetzungen zn ziehen. Davon abgesehen, hatte ihregeschäftliche Praxis seit ihrer Einsetzung manche Anfechtungen erfahren,welche früher uicht sonderlich begründet erscheinen mochten, aber injüngster Zeit doch auf ernstere Berücksichtigung Anspruch machen konnten.Die über diese Fragen gewechselten Erklärungen scheinen einen guten Erfolggehabt zu haben, und es hat sich bei diesem doppelten Anlaß wieder ge-zeigt, daß, ein wie mangelhaftes Instrument auch in Deutschland das par-lamentarische sein möge, dasselbe doch noch immer, allerdings nur in sehrbescheidenem Maße, praktisch verwerthet werden kann.

Aber diese Möglichkeit besteht in wirthschaftlichen Fragen jedenfalls nurda, wo nicht das Gleichgewicht der Diskussion durch vorgefaßte Entschlüsse derRegierung aufgehoben ist. Denn auf diesem Gebiete siud die Ansichten soschwankend und unklar, daß der konzentrirte Wille von oben beinahe immereinen unwiderstehlichen Druck ausübt. Rückschritte in der wirthschaftlichenGesetzgebung zu verhindern, wenn eine Regierung sie will, ist schon schwer,Fortschritte gegen ihren Willen durchzusetzen ist unmöglich. Und wie vielmehr gilt dies Alles für das heutige Deutschland als für andre Nationen?Darnm mußte in der That ein Verhalten der Regierung, welches demZweifel über ihr inneres Verhalten znr Münzreform immer mehr Nah-rung gab, ernste Besorgniß verbreiten. Und selbst die der Form nachberuhigenden Erklärungen, die wir so eben erhalten haben, lassen über der