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der Stellung, die die verbündeten Regierungen zu der Sache in unserem Etatgenommen haben, daß es nur gut und erwünscht sein kann, wenn man sich auchüber die Frage äußert, ob denn nach allgemein münzpolitischcn Rücksichten esangezeigt scheint, so zu handeln, wie der Gedankengang der verbündeten Re-gierungen es anzeigt, oder ob dies nicht räthlich ist. Der einzelne Abgeordnete,der ein besonderes Interesse an dieser Frage wohl zu nehmen berechtigt ist,scheint meiner Ansicht nach sich nicht zu vergehen, wenn er auch hier ganz un-maßgeblich seine Ansicht vorträgt und sie zu begründen sucht.
Der Herr Schatzsekretär hat nun versucht, sofort einen Einwand abzu-schneiden, der allerdings in dieser Besprechung eiue große Rolle spielen muß.Er hat gesagt: man hat unsere Maßregel im vorigen Jahr dahin ausgelegt,daß wir hätten versuchen wollen, ob nicht die Einstellung der deutschen Silber-verkäufe an und für sich Ursache genug sei, um eine Veränderung auf demWeltmarkt dieses Metalls hervorzurufen, von der wir dann nach Wiederherstellungeines besseren Niveaus unter Umständen Gebrauch machen könnten, und es hatihm wohl ein wenig auf dem Herzen gelegen, daß damals der Herr Präsidentdes Bankdirektoriums sich so ziemlich in diesem Sinn ausgesprochen hat; überdie Worte wollen wir nicht streiten, aber dessen bin ich wohl von dem HerrnSchatzsekretär nicht gewärtig, daß er mir abstreiten wird, daß die ganze Artund Weise, wie die Beantwortung jener Interpellation damals eingeführt wurde,vernünftiger Weise nur den Sinn haben konnte, daß einstweilen ein Experimentgemacht werden sollte. So ist es sogar von sehr vorsichtigen, ruhigen Leuten,wie dem münzkundigen Soetbeer verschiedene Male in Aussätzen ausgesprochenund angesehen worden und die Worte, die der Herr Präsident des Bankdirek-toriums uns damals vorgetragen hat, lassen gar keinen Zweifel darüber, daßdieser Gedauke eine nachdrückliche Wirkung auf die Vorstellung des Hauses habensollte. Er hat ausdrücklich gesagt:
Meine Herren, daß diese Maßregel (die Sistirung des Silberverkaufs)zweckmäßig, ja dringend nothwendig war, halte ich jetzt noch für un-bestreitbar.. Ob sie den Erfolg haben wird, den Preis des Silbersdauernd zu heben bis annähernd auf den früheren Satz von 60 Penceper Unze, steht freilich dahin. Ist es wahr, was die Fachleute fastaller Länder--
u. s. w.
Also Sie sehen, es war hier offenbar der Grundgedanke von dem HerrnBankpräsidentcn ausgesprochen, wir seien durch unser fortwährendes Anwesendseinauf dem Markte die Hauptursache des Niedergehens der Silberpreise und wirwürden, wenu wir uns von ihm zurückzögen, das entgegengesetzte Phänomenhervorrufen. Die ganze Art, wie damals der Bankpräsident als Interpret desGedankens des Reichskanzlers hier auftrat und sprach, konnte darüber kaum inZweifel lassen, daß diese Vorstellungsweise einen bedeutenden Einfluß aus denganzen Gang der Dinge genommen habe. Ich muß mir also auch erlauben,das Experiment, wie ich eS das vorige Mal zu nennen mir gestattet habe, mitin den Kreis meiuer Betrachtung zu ziehen, und kann den Gedanken nicht ganzabweisen, daß jene Auffassung vielleicht noch jetzt in den Maßnahmen der Re-gierung einen bedeutenden Platz einnehme, denn, wie gesagt, eins von beiden:entweder man wartet auf bessere Preise, als Wirkung einer auf lange hinausfeststehenden Sistirung, oder man wartet auf eine Gelegenheit, bei der man dasganze Münzgesctz abändern kann. Etwas anders kann ich als Erklärungsgrundfür eine so einschneidende Maßregel, wie diese, nicht auffinden. Nun bin ich jasehr gern bereit, auf jede solchen Eindruck abmildernde Erklärung einzugehen,und der Herr Schatzsekretär hat soeben eine solche zu geben versucht; er hat