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Die amerikanische Weizenproduktion / von Friedrich Kapp
Entstehung
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rechnet auf gute Erndten bei sich und auf schlechte in Europa ,keiner will hinter dem Andern in der Sicherung seines als gewifsbetrachteten Antheils am Gewinn Zurückbleiben. Zur Zeit geltenals die besten Gegenden für den amerikanischen Weizenhau dievon der nördlichen Pazificbahn neu eröffneten Gebiete des nörd-lichen und westlichen Minnesota, von Dacotah, dem Red River ,Winipeg und "Assiboine. Allein das Thal des Red River im nörd-lichen Theil von Dacotah und im südlichen von Manitoba, welchesbereits von zwei Eisenbahnen durchschnitten wird, ist etwa350 engl. M. lang und 60 breit, gut bewässert und bei seinemreichen Alluvialboden vortrefflich zum Weizenbau geeignet. Manberechnet, dafs es so viel Weizen hervorbringen kann, als dasganze gegenwärtige Weizengebiet der Vereinigten Staaten erzeugt.Wenn auch der Boden von Nebraska, Kansas und Texas ebensoreich und fruchtbar ist, so gedeiht doch der Weizen in jenenGegenden wegen ihrer mehr nördlichen Lage viel besser undwird namentlich schwerer. Selbst nördlich vom 55° der Breiteim Dominion von Canada im Red River -Thale , dessen Flächen-inhalt auf 100 000 engl. DM. berechnet wird, hat man seit 1878Weizenerndten, welche in Quantität und Qualität ganz vorzüglichsind. Durch das Fortschreiten der Eisenbahnen und die in Folgedessen erleichterte wohlfeile Verbindung mit dem Osten wirdalso der ferne Westen des Kontinents bei seinen ohnehin billigenLandpreisen immer mehr der Mittelpunkt der Weizenkultur werden.Seine natürlichen Vortheile sind eben so grofs, dafs selbst diegröfsere Nähe des Meeres die Farmer östlich vom Mississippi nicht für ihr verliältnifsmäfsig ärmeres Land und ihre höherenProduktionskosten entschädigt. Sie müssen sich wohl oder übelmit der Zeit auf eine andere landwirtschaftliche Thätigkeitwerfen, oder selbst nach dem Nordwesten auswandern, was zumTheil jetzt schon geschieht und in immer gröfserem Umfange ge-schehen wird, ja geschehen mufs. Sogar der ungebildetsteAmerikaner ist in wirtschaftlichen Fragen dieser Art ein sehrnüchterner Rechner und Geschäftsmann. Sobald er findet, dafsseine Arbeit sich hier nicht mehr zahlt, versucht er es dort, wo

ihm bessere Aussichten winken.

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