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Die amerikanische Weizenproduktion / von Friedrich Kapp
Entstehung
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thänigkeit und Erbpacht unschuldige kindliche Anfänge seien.So schlimm ist nun diese Gefahr freilich nicht, und es wirdsich später Gelegenheit linden, die an sie geknüpften Befürch-tungen auf ein sehr bescheidenes Mafs zurückzuführen, allein esläfst sich nicht verkennen, dafs dieser nennen wir das Kindvon vorn herein beim rechten Namen! Raubbau seine ernstenNachtheile im Gefolge hat und nicht bloi's in Amerika , sondernauch in Europa auf die Produktion der nächsten Jahrzehnteeinen unter Umständen höchst verderblichen Einflufs ausübenkann. Wie folgenreich und verhängnifsvoll man sich aber auchdiese schiefe Entwickelung für die Gegenwart und nächste Zu-kunft vorstellen mag, so möge hier doch gleich von vorn hereinbemerkt sein, dafs sie zu einem Endergebnifs führen wird, welchesnicht die Vernichtung aller individuell selbständigen Arbeit, son-dern vielmehr einen neuen Aufschwung der landwirtschaftlichenProduktion bewirken mufs.

Die gewaltige Neuerung ist freilich noch so jung, dafs man* ihr, so viel ich weifs, in Deutschland bisher wenig Aufmerksam-

keit geschenkt hat. Bei dem allgemeinen Interesse, welches siebietet, will ich deshalb versuchen, sie nach eigenen Beobachtungenund den Mittheilungen zuverlässiger Berichterstatter etwas ein-gehender zu schildern.

Erst mit den letzten Jahren des vergangenen Jahrzehnts be-ginnend, etwa seit 1876, haben vielfach im Nordwesten grofsePrivatgesellschaften sich zu bilden angefangen, welche mit ver-einten bedeutenden Mitteln Tausende von Ackern bebauen unddie Kosten ihrer Wirthschaft auf ein bisher noch kaum für mög-lich gehaltenes Mafs herunterzudrücken vermögen. Ich bin aufeiner Reise, welche ich im Oktober 1879 quer durch den Kontinentunternahm, an zahlreichen Farmen vorbeigefahren, welche Weizen-felder von Tausenden von Ackern enthalten und vorzugsweisemit Maschinen bearbeitet werden. Im »Atlantic .Montlily« (De-cember 1879 und Januar 1880) giebt ein Mitarbeiter höchstinteressante statistische Aufschlüsse über diese sich neu gestalten-den ländlichen Verhältnisse. Er hat Kansas , Minnesota undDacotah im Sommer 1879 besucht und auf dieser Reise seine Be-obachtungen gesammelt. Dort sind Farmen von 20000 Ackernund mehr durchaus keine Seltenheit mehr. Mein erwähnter Ge-währsmann fand auf der Liste, welche ihm an der Station Victoria