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Die amerikanische Weizenproduktion / von Friedrich Kapp
Entstehung
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selben Zeit 1B Männer wegen Arbeit vor. Der Aufseher nahmaber nur einige vor ihnen an, so dafs die übrigen gezwungenwaren, auf anderen Farmen ihr Glück zu versuchen. Einer derArbeiter antwortete mir auf meine Frage, er erhalte acht Dollarsdie Woche, indessen habe man ihm für die Erndtezeit mehr ver-sprochen. Ich fragte ihn dann weiter, wo er nach deren Endebeschäftigt zu werden hoffe, worauf er mir erwiderte, dafs er vorder Wiederaufnahme von Feldarbeiten im nächsten Frühjahr aufkeine Arbeit rechnen könne. Auf der Grandin Farm waren bei5300 Acker bebauten Weizenlandes während der Säezeit (1. Aprilbis 1. Mai) 150 Mann und während der Erndtezeit (1. Augustbis 15. September) 250 Mann beschäftigt, und zwar zu Löhnen,welche die Arbeiter kaum während der Arbeitszeit zu unterhaltenim Stande waren. In den fünf Monaten vom 1. November bis1. April thaten dagegen nur zehn Männer ohne Frauen undKinder die ganze Farmarbeit. Natürlich versehen den Dienstder Männer meist die bis zum höchsten Grade der Vollkom-menheit verbesserten und theueren Maschinen, deren Anschaffungfür den kleinen Farmer gar nicht zu erschwingen ist. Wenndieser nun auf die Dauer einer Vereinigung der mächtigstenwirtschaftlichen Gewalten, dem Kapital, den Maschinen und denbilligen Löhnen erliegen mufs, so wirkt andererseits ein solcherGrofsbetrieb ebenso verderblich auf die Landschaften, in denener sich entwickelt. Ohne diesen irgend welche Vortheile zu ge-währen, saugt er das Land aus, welches er bearbeitet und trägtArmuth und Elend in seine nächsten Umgebungen. Denn erträgt keinen Pfennig von seinem Gewinn dahin zurück, wo diesegewonnen werden, und thut selbstredend so wenig als möglichfür die Besiedelung des Landes. Höchstens, dafs die unumgäng-lich nötigsten Häuser und Schuppen errichtet werden. Währendman in den alten Staaten eine Familie auf 50 Acker bebautenLandes rechnet, giebt es auf der grofsen Grandin Farm, dieüber 100 Familien, also etwa 500 Menschen ernähren müfste,keine einzige Familie, ja nicht einmal einen einzigen, fest ange-siedelten Bewohner und an Gebäuden nur drei Scheunen unddrei Wohnungen. Natürlich fehlt es unter diesen Umständen auchan Wegen und Kommunaleinrichtungen, an Schulen und gemein-nützigen Anstalten. Ihr Nichtvorhandensein liegt sogar im un-mittelbaren Interesse der Eigentümer, da sie um so billiger

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