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als er, thut das vor Allem aus persönlicher Feindschaft gegenil,u. Alte feste Freihändler z. B. stellen sich seinen schutz-zöllnerischen Plänen uur gegenüber, weil sie vvn ihm kommen.Sonstige Gründe haben sie dafür nicht. Höchstens kommt nochetwas Anderes dazu: sie sind Streber, sie wollen die Gunst ein-flußreicher Personen ergattern, natürlich nur, um sich selbst empor-zuschwingen. Bosheit gegen ihn oder Stellensägerei, ein Drittesgibt es nicht. Im Anfang der achtziger Jahre, wo seine Machtso bombenfest stand, daß Alles vor ihm zitterte, wo nnr einNarr sich hätte vornehmen können, ihn zu stürzen, sieht er injedem Andersmeinenden einen Rivalen, der sich an seine Stellesetzen will. Wenn er mit dem Vorsatz, Hamburg in den Zoll-verein einzuschließen, auf Widerstand stoßt, erklärt er es aus denpartikularistischen Neigungen seiner Gegner und den Sympathiender großen Kausmannftadt für die „sozialdemokratische" (!) Re-publik. Seine Gegner waren zwar in erster Reihe die Frei-bändler, und darunter Mäuner wie Delbrück und die höchstenWürdenträger der Hamburger Bürgerschaft. Doch was geht dasihn an! Auch hier wieder triumphirt er mit einem krassen Um-schlag der Stimmung. Am 25. Mai 1881 sprach noch auf derTribüne des Reichstags einer der mildesten aller Volksvertreter,der Abgeordnete sür Hamburg , von dem „blutenden Herzen" derausgeregten, vergewaltigten Stadt; und später — welch einbegeisterter Cultus für den ehemaligen Tränger, woran derReflex der illustren Nachbarschaft nicht unbetheiligt sein mochte.
Ueber den ersten Anlaß zu dieser Einbeziehung der Hanse-städte in den Zollverein kursirten verschiedene Angaben, die sichauf persönliche Erlebnisse Vismarcks aus zöllnerischeu Erfahrungenbezogen. Eine Version sehr glaubhafter Art, die aus der bestenQuelle stammt, ist mir vor Jahren mit allen Einzelheiten voneinem ganz unparteiischen Hamburger Notablen mitgeteiltworden. Aber man muß sich nicht aus solchen Beobachtungenzu ähnlichen Ungerechtigkeiten verleiten lassen, wie Bismarck siegegen Andere zu verüben Pflegte. Es gehörte eben zu seinerpersönlich kvnzentrirten Denkweise, daß er seine eignen Eindrückeverallgemeinert zum Maßstab der Dinge überhaupt erweiterte.
In der Zeit, wo er mit dem Plan umging, das gesammte