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Händler. In den Tagen, wo die Demissionskomödie auf ihremHöhepunkt stand, begegnete ich ihm eines Abends auf der Straße.Wir blieben eine kurze Weile im Gespräch zusammenstehen. Icherwähnte, daß ich auf dem Wege zum Theater sei. Wie manan Vergnügungen denken könne in einem Augenblick, wo solcheine Katastrophe spiele! Ich glaube, es war ihm ganz ernstdamit. Das Schönste dabei war, daß im Mittelpunkt des ganzenJntriguenspiels die Anklage gegen den Ultramontanismus standund die angebliche Bedrohung, daß Deutschland ihm durch dieKaiserin Angusta, ihren Hof, Schleinitz, ja durch die UrprotcftantenGesfcken und Max Müller unterworfen werden sollte. ZweiJahre daraus machte Bismarck seinen Frieden mit dem Zentrum,beseitigte den Kulturkampf und den Minister Falk, der 1877als der Hort des Reichs in Schutz genommen worden war, alsden wahren Uebelthäter. Und die Ironie des Schicksals wollte,daß der Kanzler, welcher den Krieg gegen den Kaiserlichen Hofwegen seiner Hinneigung zu Windthorst sührte, im März 1890unter anderen Motiven wegen einer geheimen Besprechung mitWindthorst entlassen wurde.
Tiedemann hebt als charakteristisch hervor, daß der Kanzlereinem Gegner nicht gerecht zu sein vermochte. Das war auchnie seine Absicht. Wer sich ausschließlich der Bekämpfung seinerGegner widmet, thut am besten, gar nicht erst über die Möglich-keit ihrer Berechtigung nachzudenken. Diesem praktischen Instinktfolgte Bismarck von selbst. Ja, sein Naturell erleichterte ihmdiese Aufgabe, indem es ihm von vornherein alle Lnst, mankönnte sagen, die Fähigkeit versagte, einen Gegner oder überhaupteinen Andern als sich selbst zn verstehen. In einem Briefe anGerlach schreibt er 1857: „Die Fähigkeit, Menschen zu be-wundern, ist in mir nur mäßig ausgebildet, und es ist vielmehrein Fehler meines Anges, daß es schärfer für Schwächen als fürVorzüge ist." Wer immer in seinen von ihm selbst, von Andernund namentlich auch in den von Busch aufgezeichneten Aeuße-rungen jemals genannt worden ist, wird beim Lesen dieser Ver-dikte lächeln über die Auffassung seiner Motive und Zwecke, derer da begegnet. Es ist auch, ohne Unterschied der Lage undPersönlichkeiten, immer die nämliche. Wer etwas Anderes will
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