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sei nur aus der förmlich auf Unwahrheit gerichteten Absicht zuerklären. Man kann sich, wenn man diese Cruditäten liest,nicht des Gedankens erwehren, das; Bismarck , und mit Recht,wenn er es erlebt hätte, über seinen Geschichtschreiber gerade sowüthend geworden wäre, wie ihm das so ost bei früheren Indis-kretionen begegnet ist.
Es ist, beiläufig gesagt, schade, daß nicht auch Busch wiedereinen Busch gefunden hat, der uns mit derselben Treue diehinter seinem Rücken über ihn von Bismarck gethanenen Aeuße-rungen hinterlies;. Es wäre gewiß manches Pikante dabeiherausgekommen. Immerhin muß man von einem durch lang-jährige Erfahrung über seinen Mitarbeiter belehrten Mann an-nehmen, daß er erwarten mußte, derselbe werde von den ihmzur Einsicht überlassenen Geheimnissen auch noch anderen alsden ausdrücklich verabredeten Gebrauch machen; ja sogar überdie Eigenart dieses Gebrauchs konnte er keinen Zweifel hegen.In seiner rührenden Lssenheit erzählt uns Bnsch selbst, wieBismarck ihm vorhält, daß er ein boshafter Mensch sein müsse,um mit Vorliebe alles Boshafte, was er ihm sage, unter dieLeute zu bringen, auch wenn es offenbar beim Jmprovisirengar nicht so ernst gemeint gewesen sein könnte. Ebenso wußteBismarck aus vielfacher Gelegenheit, wie Busch dahinter herwar, Stoss für seine slinke Feder zu erwischen. Bismarck hattedie Brauchbarkeit dieses Faktotums zu sehr gewürdigt, um sichihn für immer zu versagen. Gleich, als er sich zum ersten Malwegen bedenklicher Ersahrungen offiziell von ihm trennen mußte,traf er ein stilles Abkommen, den nützlichen und vielleicht gefähr-lichen Mann nicht aus der Hand zu lassen, sicherte sich seinePreßdienstc für alle Zeiten. Dessen erinnert sich der treue Knechtauch immer wieder, wenn er sürchten muß, in Vergessenheitgerathen zu sein. Dann richtet er durch seinen Freund Bucheroder direkt seine Anfragen an den Kanzler: ob es nichts fürihn zu thun gebe? Meistens läßt der ihn dann auch kommen.Da heißt es nun zuweilen, eS liege wirklich nichts vor. Abevder Betriebsame weiß doch die Unterhaltung so zu lenken, daßschließlich ein Geschäft herausspringt. Es läßt sich immer nochirgend ein Revier finden, in dem ein guter Schütze pirschen