Druckschrift 
Augsburgs älteste Druckdenkmale und Formschneiderarbeiten, welche in der vereinigten königl. Kreis- und Stadtbibliothek daselbst aufbewahrt werden : nebst einer kurzen Geschichte des Bücherdruckes und Buchhandels in Augsburg ; mit 37 Abdrücken von Original-Holzschnitten aus dem 15. u. 16. Jahrhundert / von G. C. Mezger
Entstehung
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wahrscheinlich hier zuerst in Deutschland erbaut worden waren; auchmußte es ihnen erwünscht seyn, geschickte Formschneioer zu treffen da dieArbeiten derselben mit ihrer eigenen Kunst in der engsten Verbindung standen.

Bei der Auswahl der Bücher nahmen sie auf das lokale Bedürfnißvorzügliche Rücksicht. Es erschien gleich in den ersten Iahren einebeträchtliche Anzahl Schriften aus dem Kreise der damaligen belletristischenLiteratur. Ich nenne aus der Masse der bekannt gewordenen hier nur:Eyn schön hystori von einer edlen jungen frawen Sigismuuda;Melusina gar kurezweilig zu lesen; ein schön lesen von derGrisel; wie die statt Troya zerstört ward ein schön lesen;eine kurezweilige hystori zu lesen von herczoge Wilhalmenvon osterreich; Barlaam und Josaphat; Kaiser Pontianus;die sieben weisen meister; der spiegel der tilgend und ersamkeitdurch denhochberümten Ritter vom Turn; BoecazCcnto Novelle;Herzog Ernst von Baiern; hystori von Tristrant und derschönen Jsalde; hystori Wilhelm von Orlcnez; Pareivalund Titurell (die erste gedruckte Ausgabe dieser trefflichen GedichteWalters von Eschenbach et. Eberts bibliographisches Lerieon 6925 und6926). Manches der vielgelesenen Volks-Bücher aus jener Zeit magdurch häufigen Gebrauch verloren gegangen seyn, ohne daß wir auch nurden Namen davon wissen. Daß theologische Schriften auch die hiesigenPressen gleich vom Anfange an sehr beschäftigten, versteht sich von selbst;einige Werke darunter, wie z. B. das Leben der Heiligen, sind vonbedeutendem Umfange. Vor allem aber erwarben sich die hiesigen erstenBuchdrucker durch ihre Ausgaben der deutschen Bibeln hohen Ruhm.Es sind deren nicht weniger, als sechs, die vom Jahre 14731490 inkurzen Zwischenräumen aufeinander folgten; zwei Ausgaben bei GüntherZainer 1473 bis 1475 und 1477; zwei bei Anton Sorg 1477 und1488 und zwei bei Hans Schön sperger 1487 und 1490, über welchletztere sich indeß freilich noch Zweifel erheben ließen. Augsburg gebührtuuftreitig das Verdienst, für die Verbreitung der deutschen Uebcrsetzungder Bibel vor der Reformation am meisten gethan zu haben.

Aber auch nicht unbedeutende geschichtliche Werke und Eneyelopädienwurden noch im Laufe des 15. Jahrhunderts hier gedruckt, wie z. B.

") <?k. v. Stettm's Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte -c. p. 28 u. 29. Dieälteste Urkunde auf Papier ist von Augsburg datirt. Merkwürdig ist, daß auch die erstedeutsche Urkunde im I. 1070 in Augsburg ausgestellt wurde. .") Ich verweise deßhalb auf den dritten Abschnitt.