Zur Ergänzung der Notiz, welche Ebert I, 78. über diese Ausgabegiebt, erlaube ich mir hier beizusetzen, daß sie Signaturen hat und zwarim 1. Bande » 2 bis x 5 und im zweiten a 2 bis o 5, dann daß,wenn die Größe des Formats und nicht die Wafsermarke berücksichtigt wird,sie als klein I?ol. bezeichnet werden muß, wie dieß auch Andere, z. B.Panzer (-uni^Ies t^ioKi^vKiei Vol. III, p. 130.) gethan haben.
Mit besonderer Vorliebe übernahm Ratdolt mathematische Werkezum Drucke, an die sich andere Typographen fast nirgends wagten. Erhat sich um diese Wissenschaft ein eigenthümliches Verdienst erworben.Jakob Eanter nennt ihn daher den Beschützer und Vater der Mathematiker.Als ein Prachtwerk seiner Presse wird namentlich der Euklid vom Jahre1482 gerühmt, bei welchem die Zueignungsschrift mit goldenen Letterngedruckt ist. Es ist dieß auch das erste Buch, in welchem in Holzgeschnittene, mathematische Figuren vorkommen. Das Ercmplar der hiesigenStadtbibliothek kam im Jahre 1806 mit vielen anderen seltenen Handschristenin die Ccntralbibliothek zu München . Auch dem Drucke musikalischerHandschriften widmete Ratdolt seine Offizin. Die Tonzeichen sind beidiesen gleichfalls mit beweglichen Typen gedruckt. Zur Korrektur dermathematischen und astronomischen Werke bediente er sich des gelehrtenJohannes Angel us von Aichach aus Bayern , der als Astronom,Mathematiker und Redner in einem großen Rufe stand. Ratdolt hatteübrigens selbst eine gelehrte Bildung, durch die er sich die Achtuug undFreundschaft der angesehensten Gelehrten seiner Zeit, und den Zutritt indie vornehmern Familien Venedigs und Augsburgs verschaffte. Es verdientdieß um so mehr bemerkt zu werden, als er ursprünglich von Professionein Kistler war, der aber auch frühe schon in andern Fächern arbeitete,wie dieß die Augsburger Baurcchnungen vom Jahre 1473 beweisen, nachwelchen er einen Mann aus Gyps auf dem Rathhause verfertigte. Inder Geschichte der Typographie machen seine Drucke auch in sofern Epoche,als in ihnen zuerst die schönen verzierten Initialen, die unter dem Namenüoreutes bekannt sind, und die Randeinfassungen um die erste Seitevorkommen, welche sich zum Theil durch sehr feine Holzschnitte empfehlen.Er hat ferner zuerst förmlich abgesetzte Titelblätter allgemeinereingeführt.
Als er im Jahre 1486 einer Einladung des Bischofs Friedrich vonHohenzollern nach Augsburg folgte, gab er sein Geschäft in Venedig ganzauf. Der genannte Bischof suchte ihn namentlich deßhalb Hieher zu ziehen,damit er die, für die Augsburger Diöcese nöthigen geistlichen Bücher drucke.
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