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Über die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst : bey Gelegenheit einiger neuern darüber geäusserten besondern Meynungen : nebst Anzeige des Inhaltes seiner Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst / Johann Gottlob Immanuel Breitkopf
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Ueber die Erfindungsgeschichte

Zeugen, mit einem Worte, die Anzahl Siegel, mit welchen so viele offene Briefeverschen sind, die vor der Geburt unsers Lttdewl'gs schon ausgegeben worden.

Wenn wir nun alles dieß, was fremd ist, wegnehmen: so bleibt nichts übrig,als das Drucke» mit Holz, es sey nun mit Tafeln oder mit Buchstaben. Kurz, so,wie dasselbe sich in den Werken der Kunst darlegt, welche die Hollander dem Lav-venz voll Harlem zugeeignet haben.

Ich begreise sehr wohl, daß das wenige, welches unser Chronikenschreiber da-von sagt, nicht genug sey, uns vollkommen von dem Wesentlichen und dem Beson-dern dieser Erfindung zu unterrichten. Hat Ludewl'g anfangs Bilder ohne Schrift,oderSchrift ohne Bilder gedruckt? Waren die Buchstaben fest oder beweglich ? Dießsind schwere Fragen, die man eher aufwerfen, als beantworten kann, und wobey mandeßwegen nicht anders, als mit vieler Vorsicht, zu Werke gehen muß. Das ist abergewiß, daß der Schreiber von einer ersten Unternehmung in dem Drucke handele;man setze hinzu, daß man keinen vollkommenen Beweis von der Erfindung des Lv-renh hcwe; daß es nicht möglich ist, daß alle die Bücher, die man ihm zueignet,aus seiner Wcrkstätte gekommen sind; und daß es fast unwidersprechlich sey, daßman gedruckr habe, ehe er gebohren worden. Dieß muß ich ferner beweisen, in soweit es die Gränzen meiner Abhandlung verstatten.

Ich will das Werk, k'iZurae t^picae veteris, at^us sntit^icae novi l'elts-niertti, sammt der I^ilroria ieu ^roviäemia VirAi'ms ^lanae ex Ontico (7anticc>rulHiconice exliib-ita, als auch die sechs unterschiedenen Ausgaben von der rMoria 8. ^soKann!; Tv2nZsli/Iac, und noch so viel andere Bücher, mit dergleichen Bildern undmit Sprüchen in Holz geschnitten, übergehen, welche mit fast an einander Hangen-den Buchstaben gedruckt sind. Ohne von diesen und dergleichen zu reden, so kennenwir vier Ausgaben von dein 8peLu!o nmnanse salvstionis oder 8xieAeI äer lnentcke-

deliouäeniz, zwo in niederländischer, und zwo in lateinischer Sprache, wovondrey ohne Widerspruch den Drucken in Deutschland an Alter sehr weit vorgehen.Das kleine Gebetbüchelchm, wovon Hr. Meermann eine Abbildung gegeben hat,scheint noch älter zu seyn. Die unterschiedenen Ausgaben des Donats, welche die-ser gelehrte Schriftsteller fo deutlich bewiesen hat, sind von keinen spätern Zeiten.Dieß Blich ist ein kurzer Inbegriff oder ein iesebuch von der lateinischen Sprache,dessen man sich in den Schulen bediente, um den Kindern die Beugung der Nenn-und Zeit-Wörter zu lehren. Ich finde dessen in einem Reglement erwähnt, das derHerzog von Brabant im Jahre 1Z20 sür die großen und kleinen Schulen in Brüssel gegeben hat. Man findet es in der geschriebenen Chronike des Dtllterus, wo man

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