Zweyter Abschnitt.
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Wenn wir also nach diesen Hauprzeugnissen den er-sten christliche i Gottesdienst in seiner gewöhnlichenlind ordentlichen Einrichtung kennen lernen wollen:so müssen wir bemerken, daß aller Wahrscheinlichkeitnach derselbe nicht allein, wie Tertullian berichtet,mit Singen beschlossen, sondern auch mit Singen an-gefangen worden sey. Man kann dieses ben nahemit Gewißheit aus der plinianischen Beschreibungdes christlichen Gottesdienstes schließen, wenn es nichterlaubet wäre, solches aus der Gewohnheit der spä-tern Jahrhunderte zu muthmaßen. Plinius sagetausdrücklich, daß die Christen gestanden hätten: erstsängen sie Christo, als Gott, ein Loblied ; so dannmachten sie sich anheischig , leine Bosheiten m verü-ben. Dieses aber geschah theils durch die Vermah-nung, die der Lehrer an die versammleten Christenhielt, theils dadurch , daß sie von dem geheiligten ,Brodte und Weine aßen, von dein, nach dem Zeug-nisse des Justinus, niemand essen durfte, Vernichtversprochen hatte, nach den Befehlen Jesu Christi zuleben.
Darauf wurde die heilige Schrift gelesen. Es istwahrscheinlich, daß solches in den beyden erstenchrist- ""F-^/.lichen Jahrhunderten nach der Weise der jüdischen ^-^-5Kirche von den Diaconiö geschehen sey. Um Cyprl-^,/^,.ans Zeiten, kam eine besondere Kirchcnbedieming-'?,?^,??.auf, nämlich das Amt der Leser. Vielleicht fing^derjenige, welcher dem Volke die heilige Schrift vorle-A^'"sen mußte, dieses'Lesen mit dem unter den Christen <^/^ ^gewöhnlichen Gruße an: Friede sey mir eucd.c.^.Zuweilen und in einigen Gemeinen wurden nicht allein^'^^s.die Schriften der Propheten und Apostel, sondern ^/^^
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