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von das erste aber fast noch häufiger Dorbitte lau«tet, die beyden folgenden aber zunächst aus oemOberdeutschen entlehnet sind, wo dieses Umstands-wort ohnehin fast in allen Fällen für lautet, es ste-he nun allein oder in der Zusammensetzung. DieUrsachen, warum die Hochdeutsche Mundart deneinmahl angenommenen Unterschied nicht auch aufdie Zusammensetzungen ausgedehnet hat, sind nichtschwer zu finden. 1. Als man den Unterschied bey-der Präpositionen mit Bewußtseyn zu beobachtenanfing, waren die Zusammensetzungen mit vor be-reits allgemein üblich und bekannt. Die allgemei-ne Verständlichkeit, das erste Grundgesetz in allenSprachen, verboth also, sich an ihnen zu vergreiffen.2. Ein zusammen gesetztes Wort, wird in Ansehungder Zusammensetzung immer als ein unveränder-liches Ganzes angesehen. Es würde also wider denganzen Deutschen Sprachgebrauch gewesen seyn, einund eben dasselbe Wort, bald mit für, bald mitvor zu schreiben, z. B. Vorsorge, die aus Klug-heit zum voraus geschiehet, und Fürsorge für oderzum Besten eines andern Dinges, z. Die Zwey-deutigkeit, deren Vermeidung den Unterschied zwi-schen den Präpositionen eingeführet hat, ist hiernicht so sehr zu befürchten; denn wenn gleich beydeBedeutungen in der Zusammensetzung möglich sind,so hat doch der Sprachgebrauch ein solches Wortgemeiniglich schon auf eineBedeutung eingeschränkt,und folglich hinlänglich bestimmt, z. B. Dorbicce,eine Bitte für jemanden, kann auch eine Bitte be-deuten, welche vor, in Gegenwart geschiehet, istaber in diesem Verstände nie üblich. Und findenauch beyde Bedeutungen Statt, wie z.B. in Dorssorge, so ist hier der Nachtheil nicht zu befürchten,welchen die Zweydeutigkeit bey den einzelen Präpo-sitionen