Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1782)
Entstehung
Seite
375
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i. Kap. 6. Verbum. §. 67z. 674. 575

daraus, weil die Deutsche Conjugation das Futurumnicht aus sich selbst machen kann, sondern dasselbe»imschreiben muß; daher man dessen Verhältniß erstin den spätern Zeiten klar empfunden zu haben schei-net, da die vornehmste Bildung der Sprache schonvorüber war. Daher stehet denn das Präsens nochhäufig anstatt des Futuri: ich reise morgen nachBerlin ; ich bin bald wieder hier; wenn duwieder zurück kommst; ich gehe den Augen?blick; es geschieher erst in einigen lochen;ach! wenn kommt die Hülfe aus Zion! Hin»gegen wird auch das Futurum, besonders in der ver«traulichen Sprechart zuweilen anstatt des Präientisgebraucht: ich hoffe, er wird schon da seyn;so oft ich ihn erblicke, so wird er traurig seyn.Gell, welche letztere Art des Ausdruckes doch nur indem gemeinen Leben gangbar ist.

§. 674. Nicht seltener wird das Präsens anstatt Gebrauchdes Präteriti gebraucht: ihr höret es ja, daß ich desPräse»«mich nicht zwingen lasse, wo billig dasPerftctum ^/U-^stehen sollte, ihr habt es ja gehöret, weil diese ^ ^Empfindung doch schon wirklich vorüber seyn muß.

Besonders pflegt man in lebhaften Erzählungen,um eine geschehene Sache dem Zuhörer als gegen-wärtig darzustellen, gern das Präsens anstatt desImperfecti zu gebrauchen: ich reite gestern spa-zieren, und da begegnet mir ein Armer, de^spricht mich um ein Almosen an. Indemich ihm nun etwas geben will, so u.s. f. wo dieganze Geschichte im Präsenti fortlaufen kann.

Beden? es nur einmahl, ich schenk ihm jüngst ein Band,Und knüpf es ihm dazu noch selber um die Hand,Und gestern seh ich g«r, u. s. f. Gell.

Indes-