Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1782)
Entstehung
Seite
378
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Z78 r.TH. 4.Abschn. Syntax.

umfaßten, daher der richtige Gebratich der Zeitenim Deutschen , so wie in allen andern Sprachen,welche eine der drey Hauptzeiten in mehrere Unter-arten zerfallen, größten Theils ein Werk der Übungund ves dadurch erworbenen Geschmackes und feinenGefühles ist. Die Ursache ist auch nicht schwer zufinden.

Ursprünglich hatten die Deutschen nur ein eini-ges Tempus für die vergangene Zeit, das Imperfe-ctum, welches daraus erhellet, daß die Deutsche Con-jugation nur dieses allein auS sich selbst machen kann.Allein bey mehr Aufklarung, vielleicht auch bey mehrUmgang mit Völkerschaften, welche vollständigereConjugationen halten, fingen sie an, zu merken, daßein >>nd eben dasselbe Tempus für alle Grade undVerhältnisse der vergangenen Zeit nicht allein Zwey-deutigkeit und Dunkelheit verursachte, sondern auchder Rede eine ermüdende Eintönigkeit gab. Wiesoll-en sie sich da helfm ? Die Zeit war vorbey, dadie Sprache nach der dunklen Empfindung des Hör-taren gebildet ward und gebildet werden konnte,folglich konnten weder neue Wörter noch neue Vie-gnngssylben mehr gemacht werden. Die Deutschenthaten daher das, was andere Völker in ähnlichenUmflä'ndsn gethan haben, sie umschrieben, und wähl-ten dazu das Participium der vergangenen Zeit mitden Hülfswörtern, und so waren sie im Stande, nichtollein das Perfectum, sondern auch das Plusquam-verfectum anderer Sprachen nachzuahmen. Allesdieses konnte, so wie alles in der Sprache, nicht an-ders, als nach dunkel empfundenen Ähnlichkeiten ge-schehen ; aber diefe Empfindung war in den meistenFällen fo dunkel, daß sie sich noch jetzt nicht klar ma-chen läßt. Ich bemerke bey dieser Gelegenheit noch,daß die Nahmen dieser Zeiten, Imperfectum,

Per-