Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1782)
Entstehung
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555
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2.K. Von der Folge der Wörter. §.8o6. 555

Der Grund dieser Freyheit liegt denn wohl ohneZweifel in der Declination der Nennwörter, welcheeine Versetzung der Glieder der Rede verstattet, ohnedaß dadurch die Deutlichkeit und allgemeine Ver-ständlichkeit gehindert würde. Sprachen, welche dieCasus nicht an den Nennwörtern bezeichnen, wiez. B. die Französische, verstatten entweder gar keineoder nur eine sehr geringe Versetzung, weil das je-desmahlige Verhältnis; der Nennwörter und der zuihnen gehörigen Bestimmungswörter nur aus derStelle ersehen werden kann, in welcher sie stehen,daher sie ans derselben nicht verrücket werden dür-fen, wenn nicht die Verständlichkeit leiden soll.Sprachen hingegen, welche vollständige Viegungs-zeichen haben, wie die Griechische und Lateinische,haben daher in der Oidnung der Wörter die größtenFreyheiten, welche nur in wenig Fällen an bestimmteRegeln gebunden ist, weil das Verhältniß an jedemNennworte und dessen Vesiiinmungswörtern so ge-nau bezeichnet ist, daß es immer kenntlich bleibet, esmag stehen, wo es will. Ob aber die Griechen undLateiner in dieser Freyheit nicht oft ein wenig zu weitgegangen sind, und sich von alier bestimmten Ord-nung in der Folge der Wörter los gemacht haben,und ob nicht bey aller vollständigen Declination dieVerständlichkeit dennoch oft leidet, ist eine Frage,deren Untersuchung nicht hierher gehöret.

Die Deutsche Sprache stehet zwischen denjeni-gen Sprachen, welche vollständige Biegungssylbenhaben, und zwischen denjenigen, deren Nennwörteraller Biegung beraubt sind, in der Mitte, d.i. siebezeichnet einige Casus an den Wörtern selbst, abersie bezeichnet sie nicht alle, und auch diese »reuigennicht an ullen Wörtern. Sie hat daher mehr Frey-heit zu versetzen, als die Französische und die ihr

ähnlichen