Ausgabe 
14 (1.1.1854) 1
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ich mich von Seite der guten Väter Franciscaner erfreute. Doch ſoll ich Ihneneinen fiebergeplagten Pilger auf dem Krankenbette malen? Dieß Bild wäre für ſeineUnbekannten gar wenig gedeihlich, und für ſeine Bekannten nicht ſonderlich erfreulich.Laſſen wir's alſo und verſetzen wir uns in die Zeit, da ihm das Fieber noch nichtdie Kraſt geraubt, die ex in dem folgenden Bilde bei hellem Tage von Nöthenhaben wird!

II. Jeruſalem hat den Friedensfürſten an das Kreuz geſchlagen und ſein Wortverworfen; darum iſt auch der Friede von ihm gewichen und wir ſehen in jeder ſeinerſpätern Perioden den Ausſpruch des Propheten erfüllt, der da klagt: Peccatumpeccavit Jerusalem; propterea instabilis facta est!(Jerem. I, 8.) Dieſe Wahrneh-mung ergibt ſich auch heut zu Tage im Kleinen wie im Großen. Es war amMorgen des 27. Septembers, als ich, allein die Stadt durchwandernd, durch dieenge und ſchmutzige Hareth el Mugharibeh zwiſchen Aäſern und Pharoafeigen gegendie Reſte der alten Tempelbrücke, welche Zion mit dem Morijah verband, mich wandte,und den Klageort der Juden, Chotel Maarabeh, beſuchte, wo ich am Fuße der altenTempelmauer noch 10 Lagen der in glücklicheren Tagen auf einander gelegten großenBauſteine zählte, und eine Weile in ſtiller Betrachtung verbrachte. Als ich wegginghetzten muhamedaniſche Kinder, die bis dahin ganz ruhig in meiner Nähe geſpielt,mir die Straßenhunde nach, die ich Mühe hatte mit Steinen zu verjagen, da ſie erſtwichen, bis ich einen an den Kopf getroffen, daß er heulend flüchtete. Ich mußtennn, etwas zurückgehend und in ein zur Linken aufwärts führendes Gäßlein biegend,durch ein kleines offenes Thor etwa dem Gebiete der Moſchee zu nahe gekommenſeyn oder ſollte wohl ein anderer Grund, mein Talar vielleicht, Anlaß gegebenhaben? ich weiß es nicht; kurz, es faßten mich plötzlich zwei Männer, einer amArme, der andere an der Bruſt, und lärmten mir einige arabiſche Schmeichelredeneifernd und geſtikulirend in die Ohren, von denen ich aber leider nichts verſtand.Ich hoffte ganz einfach los zu kommen, indem ich die Gewalt des mächtigen Zauber-ſpruches:Bakſchiſch(Geſchenk) verſuchte, aber ſie ließen nicht los, ſondern ſchrieenund zerrten an mir wie vor, und ich war nun auch wenig gewillt, durch Hervor-ziehen meiner Börſe deren Verluſt und obendrein vielleicht noch andere Unannehmlich-keiten zu riskiren ſondern verſuchte in Gottes Namen Gewalt gegen Gewalt, undes glückte. Ich machte durch eine raſche Bewegung meine Linke frei, wobei derſchwarze Mughrabiner an einem Steine ſtrauchelte, und gewahrte nun meines Vor-theils dem andern Gegner gegenüber, den ich durch einen kräftigen Stoß gegen dieWand rannte, dann aber ſelber ſah, wie ich mit meinem leidenden Fuße möglichſtſchnell auf dem fatalen Boden weiter kam. Als ich, unten angelangt, zurückſah, obſie mir etwa nachſetzten, rief der Eine vom Thorwege herab:Bakſchiſch! Originellgenug! Ich entgegnete drohend:Mafiſch!(nichts dal) und ging, da ich ſah, daßſie mich in Ruhe ließen, im gemeſſenen Triumphatorſchritte weiter. Es flogen mitaber zur guten Letzt ein paar Steine nach, die jedoch glücklicher Weiſe nicht trafen.Ich hatte mir indeß auf meiner Eilfahrt vom Thorwege herab den wunden Fußangeſtoßen und neuerdings beſchädigt, was mir die Begegnung meines Dragomansdoppelt willkommen machte, der, ſeine Verſpätung entſchuldigend, verſicherte, er habemich ſchon dreiviertel Stunden auf dem Tags zuvor bedungenen Wege geſucht, undſey, da er gerade hier angelangt und mich mit den beiden Türken erblickt, eben imBegriffe geweſen, mir zu helfen.(?)Mafiſch! So was kann Einem jetztbei hellem Tage in Jeruſalem paſſiren! Die Franciscaner gratulirten mir, daß ich ſogut davongekommen, und erzählten mir eine Geſchichte, die ſich vor nicht gar langerZeit hier zugetragen und der zufolge ein fränkiſch gekleideter Türke in der Nähe dergroßen Moſchee ähnlicher Weiſe von ein paar fanatiſchen Leuten angefallen und vonSoldaten, die auf den Lärm herbeigeeilt waren, mit Säbelhieben zerſtückelt wordenwar. Schönen Dank für die Ehre und vielen Reſpekt vor derlei arabiſchen Gebräu-chen! Ich muß indeß wohl auch des Grundes gedenken, warum die Mohamedanerhier ſo fanatiſch das Gebiet ihrer großen Moſchee vor Beſuchen derUngläubigen“