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riſcher und dogmen⸗hiſtoriſcher Wiſſenſchaft, wie ſie zu obiger Kritik erfordert wird—mit Döllinger meſſen wollte, und wir können hier bei dieſer Behauptung ſelbſt HerrnRitter von Bunſen nicht den Gefallen thun, mit ihm eine Ausnahme zu machen.Die Schrift Döllingers iſt ein wahres Meiſterwerk— und wer nur halbwegs eineFreude an hiſtoriſcher Kritik hat und den die Sache überhaupt intereſſirt, der wirddieſelbe mit ſteigendem Intereſſe durchleſen. Bunſen iſt darin mit einer Leichtigkeit derBehandlung ſo kaffeemühlartig zerrieben durchgefallen, daß ſich vorausſetzen läßt,unter allen Doctoren der Theologie und allen Gelehrten deutſcher Zunge wird der-ſelbige Bunſen jener Mann ſeyn, deſſen Conſtitution Döllingers„Hippolytus undKalliſtus“ am wenigſten zuſagen kann. Im Vorwort äußert ſich Döllinger überBunſens Schrift:„Den Druck dieſer Schrift, zu deren Herausgabe ich unmittelbarnach dem Erſcheinen der Philoſophumena mich entſchloſſen, habe ich verzögert, bisdas ſo lange vorher und ſo oft angekündigte Werk des Hrn. Geheimenraths Bunſenerſchienen ſeyn würde. Meine Hoffnung, durch ein ſo ausführliches, denſelben Ge-genſtand behandelndes Werk irgendwie belehrt und gefördert zu werden, wurde nunzwar vollſtändig getäuſcht; denn die Unterſuchung über das, was mir die Hauptſachewar, die Perſönlichkeit des Hippolytus und den hiſtoriſchen Gehalt ſeines Berichtes,iſt, wie ich bald ſah, in dem Werke des Herrn Bunſen in einer Weiſe geführt, diees mir unmöglich mächte, auch nur den geringſten Nutzen davon zu ziehen; wie denndieſe hiſtoriſchen Fragen überhaupt bei ihm von untergeordneter Bedeutung ſind, wäh-rend das Hauptintereſſe des Werkes für den Verfaſſer wie für das Publicum in jenenviel breiteren Partieen desſelben liegt, in denen er ſeiner lange gehegten Antipathiegegen die katholiſche Kirche, ihre Lehre und Verfafſung, ſo wie gegen die im Prote-ſtantismus noch enthaltenen altkirchlichen Reſte Worte geliehen, und für Anpreiſungſeiner auf dem Papier bereits fertigen„Kirche der Zukunft“, deren Aufrichtung in kür-zeſter Friſt wirklich vor ſich gehen ſoll, ſich Raum und Gelegenheit geſchaffen hat.Ich habe daher nur zwei Abſchnitte aus dem erſten Bande des Bunſen'ſchen Werkeseinner näher eingehenden Kritik unterworfen, überzeugt, daß die Leſer, die mir ſo weitgefolgt, eine fernere kritiſche Sichtung des von ihm angelegten Magazins nicht begeh-ren würden. In der That liegt auch die Signatur des Buches für den Kundigenſchon in der Aufnahme, die dasſelbe in beiden Ländern gefunden, und die in Englandeine ganz andere als in Deutſchland geweſen iſt; dort, wo man es wenigſtens miteinigen Grundwahrheiten des Chriſtenthums noch ernſthaft zu nehmen pflegt, hat dieoöͤffeütliche Stimme ſich faſt nur in entrüſtetem Tadel vernehmen laſſen; nur das„Weſtminſter Review“(April, 1853) nebſt ein paar verwandten Organen hat demVerfaſſer eine Huldigung geſpendet, die in den Augen des religiös⸗geſinnten Englandsdie Bedeutung der ſchärfſten Verdammung hat. In Deutſchland dagegen haben, dembekannten Chärakter unſerer Tagespreſſe entſprechend, alle Blätter des großen Mark-tes, wie von Einem Winde bewegt, frohen Beifall gerauſcht, und nur die ſpecielltheologiſchen haben dieſem Frohlocken einige Tropfen des Widerſpruchs über Einzelnesbeigemiſcht.“
Eine eigentlich längere ſtreng⸗wiſſenſchaftliche Beſprechung dieſes Buches gehörtin eine theologiſche Zeitſchrift— wir können uns hier nur auf Andeutungen einlaſſen.Döllinger hat die von Vielen ſchon beſprochene Sache mit allem Ernſt und aller wiſſen-ſchaftlichen Tiefe behandelt— Bunſen wird, wie ſchon früher erwähnt, nur ſo neben-bei mitgenommen und ihm auf die ſchlagendſte Weiſe durch die unumſtößlichſtenGründe ein ſolches Gewebe von Irrthümern, eine ſolche Menge von gänzlich aus derLuft gegriffenen Behauptungen, ſo plumper Mißverſtändniſſe nachgewieſen, daß dietheologiſche Facultät von Bonn ihr voreilig hinausgeworfenes Diplom von Rechts-wegen zurückfordern, ſich eines unrichtigen Urtheils für ſchuldig erklären, oder Herrnvon Bunſen auffordern ſollte, eine andere Abhandlung zu ſchreiben als die preis-gekrönte, welche im Grunde nichts beweist, als die Oberflächlichkeit im Wiſſen undgrößtmögliche Seichtigkeit im Urtheil, wie ſie nur bei einem modernen Dilettanten inder Theologie gefunden werden kann.— Ueber die ſehr verwickelte Geſchichte von