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selbst, dessen zufälliger Zeuge ich am Vormittage des 19. Septembers geworden bin.ES waren ihrer etwa 4(1(1 Mann; voraus abschwitzte sich der Commandant, einzweiter Sultan Wampum, auf seinem gehäbigen Schimmel, in der Linken deö RossesZügel , in der Rechten den unentbehrlichen Tschibuck (türkische Pfeife mit langem Rohre),ihm folgten drei Mohren, deren jeder eine mäßig aroße grüne Fahne trug, dann dieTambours uud Hornisten mir ihren messingenen Ohrenbrechwerkzeugen, Hinter ihnenmarschirte in leiblicher Ordnung die Truppe, die meist aus großen, zum Theil auchkräftigen Leuten bestand, doch in ziemlich verwahrlostem Zustande war. Ihr Anzugbestand aus weißen Hosen und Zwilchleibchen mit rothen Kusschlägen und nach euro-päischem Schnitte. Ihre Gewehre waren wie die unseres Militärs, jedoch mit Stein-schlössern versehen, und fehlten die Tragriemen an den Schnallen. Ein Soldat trugin seinem Musquetenlaufe eine kleine Weiße, goldgestickte Fahne; alle aber hattenneben den blanken, sckeivenlosen Bajonetten ihren Tschibuck an der Seite befestigt.Viele Mnhamedaner begleiteten den Zng und ihre Segenswünsche lanteten auf „Siegund Ausrottung oder Austreibung der Christen", weßhalb man hier stetö irgend einenGewaltstreich zumal gegen die Griechen befürchtete. Die Marschroute führte zunächstnach Jaffa Es verlautete mdeß, daß die Beduinen einen Ueberfall der Truppe beab-sichtigten, um sich ihrer Bagage zu bemächtigen, und deßhalb vermied der Befehls-haber das gefährliche Gebiet. Er gerieth aber auf seinem Umwege noch in einezweite Verlegenheit, da seine Mannschaft sehr viele Lust zum AuSreißen zeigte, der erdadurch nur zum Theile steuerte, daß er berittene Leute aufbot, die, neben dem Zugereitend, selben zusammenhalten sollten! — Jerusalem war also, die wenigen Artille-risten in der Citadelle abgerechnet, ohne militärischen Schutz; auf die Vorstellungender Consnln aber improvisirte der Pascha, eine in jeder Beziehung höchst schwachePersonalität, für die das Wort Machthaber durchaus Impertinenz wäre, eine ArtSichcrheitswache, welche jedoch in weit üblerem Rufe stand, als die Beduinen selbst,nnd den sie auch gehörigermaßen rechtfertigte. Mindestens schrieb man die vielennächtlichen Diebereien und gewaltsamen Einbrüche, von denen jeder neue Morgen^erzählte, dem Jndustriesinn dieser Leute zu, die ja,, nachdem sie mit Sonnenuntergangdie Thore geschlossen, die ganze Nacht über Herren ihrer Zeit seyn konnten. Auchden Beduinen schwoll der Kamm, und man besorgte mit Fug und Recht, daß sieheute oder morgen die Stadt überrumpeln und brandschatzen möchten. Vor den Thorenwurden die Karavanen geplündert, uud die Stille der Nacht ward in der Stadtdurch häufige Schüsse unterbrochen, welche die in ihren Häusern Bedrohten mit denDieben uud Räubern gewechselt. Nicht einmal das Kirchengut war sicher, nnd dieFranciscaner mußten das Silbergeräthe aus der Geißelungscapelle in das festungs-artige Salvatorklostcr flüchten, darin auch ich eine Zelle bewohne. Erst als dieFrechheit eines Veduinen-Scheiks erkläne, Lacham wolle mit seinen Leuten kommen,den Kopf des Pascha sich zu holen (weil dieser bei 40 Reiter der irregulären Truppeabgesandt, dem Beduinenkn>>ge zwischen Lacham uud Abu Gösch in St. Johann einEnde zu machen) konnte die Furcht diesen vermögen, Soldaten aus Damascus uudAleppo zu rcquiriren, deren ein Theil nun auch bereits eingetroffen ist. Wasthat aber der Pascha noch vor Ankunft der ersehnten Truppen aus Furcht vor Lacham?Er verband sich mit dem Räuber Abu Gösch und forderte ihn aus, Lacham zu bekriegen,wozu er ihm Pulver und Blei (vom Dache der großen Moschee) auslieferte, ja selbstKanonen aus der Citadelle wollte er ihm geben, was aber glücklicher Weise dnrckdas energische Einschreiten deS französischen Consuls verhindert ward. Wäre dießnicht geschehen, würde Abu Gösch mit seinem zahlreichen Anhang wohl kaum crman-gelt haben, bei nächster Gelegenheit sich dieser Kanonen a!ö eines Schlüssels zu Jeru-salems Thoren zu bedienen. Sie staunen vielleicht über diese Nachrichten? Auch ickstaunte; aber man versicherte mich, daß eS vor der Regierung Ibrahim Paschas vonEgypten hier stets so zugegangen sey! Und Sie werden nicht minder staunen, wennich Ihnen sagen muß, daß es in diesen Gegenden nichts desto weniger Leute, Euro-päer, Franken gibt, welche von der köstlichen Freiheit dieser Länder nicht genug LobeS