Ausgabe 
14 (8.1.1854) 2
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zu sagen und Aufhebens zu machen wissen! Natürlich sind die Jahre ihrer Einwan-derung in daS türkische Reich meist LeidniSjahre für europäische Staaten gewesen, indenen sie nicht versäuntt, auf poliiischem Gebiete ihre perfide FrecheirSrolle zu spielen. Tieß ein Bild Jerusalems , der Stadt deS Friedens, l?vl) Jahre nach dem TodedeS Erlösers, der da war der FriedcnSfürst! Wohl kann Jerusalem mit JeremiaS anchheut zu Tage noch rufen:Oeciit mo Oomii>u5 in nwnum, 60 cius rion potero5urgort> !^

>K. Während ich diesrö schreib? kömmt mir die Nachricht zu, daß der Kriegzwischen den Beduinen neuerdmaS anSg brocken ist und die Gebend deö sonst so fried-lichen Bethlehem sich zum Schauplatze erlesen hat. 350 Berittene lagerten in demSlädtcken Da'idS und zwangen die erwerböfleißigen Bethiehemitaner, sie mit einemAnfwande v n mehreren tausend Piastern zu verpflegen. Man. spricht von acht imKampfe Gebliebenen So traurig diese Vedninenkämpfe an und für sich sind, danktes ihnen doch Jerusalem , daß ihm in dieser Zeit nickt auch von der Seite größeresUnKeil widc'f.chren ist. Auch Ramleh, d.ssen muhamcdaniiche Beiwlkrrnng ihres^anitiomuS wegen berüchtigt ist, war i> jüngster Zeit der Schauplatz rluligerKämpfe zwischen den FcllahS (Ackerbauern) und Beduinen, die sich ihrer Ernie be-mächtigen wollten.

E^ erübiigr mir eben noch etwas Zeit vor Abganz der Post, die ich zumEntwürfe eiuiger Skizzen verwenden will:

IV. Sie shen eine Dame, welche a"f einem allerliebsten Eselein eben dieHareth en Nassaiah enilang ritet; vom Saitelknopfe hängt em wohlgesülller Sackherab, v rmnthlick Proviant für die Reise Aber eine Dame allein und auf so un-sicher.n Weg n! Wer ist wohl diese Milchige? Pst! Ein Bornbergihendcr löSt das hscl Er ist ein armer Kaibolik und denlt si b vielleicht eben, wie viel bequemeres wohl seyn möge, auf dem Esel zu reiten, als die bl.'ß n Füße auf den Steinenwund zu >.chen. Tie Tame sieht ihn an und hält; er blickt sie glcit-fallS an, undsie h>>t ihn veruanden! Sie öffnet ihren Sack, langt in seine gihcimnißvolle Tiefe,und reicht dem armen Wanderer eine milde Gabe? Nein! eine ganz nett gebundene'Bibel d,r ehrer>w>rlhcn Londoner MissiouSgesellschafi! WaS kiimnieri sie der vcrweSlicheLeichnam des Mcnschcn? Die arme Seele ist ja mehr der Pflege werth! Und dieBuchdruck, r iu L^iwon sind wohl auch dieser M inung Aber wer ist nun uuscreDain»? D>r beih.ilie Glückliche, der sein Geschenk in die Druckerei der Franciöcanerbringt, um eS gegen ein laihoicheS Büch ein umzutauschen, meint, eS sey die Gobat,englisch - preußi che Bischöfin zu Jerusalem . Den lZifer muß man loben!

V. Ich bin gerade in dem T.'scken Hanse auf Besuch. Miß C. wird gemel-delt, irilt ein, und bemüht sich, mir Deutschen französisch und mit Franzosen deutsch zu reden. Ihr Spleen hat sie zur Missionänn gemacht. Sie pnckie ihr bescheidenesVermögen in England zusammen und wanderte nach Jerusalem die Jüdinnen zubelehren. DaS Mittel ist sehr specula iv : sie ertheilt nämlich den lernbegierigen Jü-dinnen Unt,rrickt iu weiblichen Handarbeiten gegen baare Bezahlung, d. h. siemuß befahlen, sonst kommen ihr die Schülerinnen nicht! und da wird nun genähtund gestickt, und zwisckcudrein auch an der Bibel geflickt, daß Gott erbarme!

Vt. Tie Leser Ihrer Zeitung erinmrn sich vielleicht eines Aufsatzes überdaSMinuiranlenwescn", den Sie brachten; hier ein Beilrag aus Jerusalem : Sie tretenin die Saivaivrlirche, die nichts zu wünschen übrig läßt, als daß sie für daSBedüriniß der hiesigen katholischen Bevölkerung etwas länger und etwas breiter undend ich auch noch etwas höher wäre (am Willen und selbst iheilweise an den Mittelnaufzubauen, fehlt eS hier eben so wenig, alö in dem Convente von «Zypern , wodie Schlangen durch die Risse der Decke in die Zellen der Franciöcaner fielen abereS gibt Hmnriusse ganz eigeiur Art!) also, Sie trct.n in die FranciScanerkircke;ein Priester schreit.t eben, von einem Frater begleitet zum Altare. Der Frater knicethin und will miinstrircn; da eilen aber schon eiliche von den anwesenden Gläubigenherbei, sechsjährige Knaben, Jünglinge, wie Greise, die ordentlich um die Gunst