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eifern, dem Priester beim Altare dienen zu dürfen. Der Frater räumt Einem seineStelle ein, und dieser ministrirt nun wahrhaft mit Andacht, Würde und Anstand.Ist die Messe vollendet, löscht er die Lichter anS, nimmt daS Missale und die Känn-chen, und gchi dem Priester voraus in die Sakristei, wo er sein: „Prosit ps6rö'"sprüht, ohne an eine Bezahlung für die Zulassung zu dem heiligen Dienste zudenken; höchstens, daß cr des Priesters Segen sich erbittet. -Dieß ist um so mehrerfreulich, ais der Araber sonst meist nur dem Motiv des Geldes folgt. — Bei unSist daS nun freilich ganz anders.
VII. Es wird Sie auch überraschen, wenn ich Ihnen sage, daß man hierweder eine Zunft dcr<?eichenträger noch der Todien^räber für die verstorbenen Katho-liken kennt. Was bei unö auf diesem Gebiete ErwerbSzweig ist, übt hier das Werkder Liebe deS Nächsten! Ein Anverwandter oder Nachbar gra'bc dem Verblichenen aufdem katholischen Fiiedhofc außerhalb deS ZiousthorcS das Grab, und um Leichen«träger darf einem gar nicht bunge seyn. Es war am 2l. September Frühe, a!S mandie Leiche Fra Antonio'S, welcher den Aben) zuvor, während deS Ave Maria Lantenö,selig im Herrn urtschlascn wor, zu Grabe trug. Ich ging ganz dicht hinter derBahre uno gewahrte mit nicht geringer Rührung, wie die christlichen Araber ordent-lich welieif.rtcn, ab>vcchselnd dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen und seinesterblichen U.berreste ans ihre Schultern zu laden, und mnß gestehen, ich schämte michfast in jenem Momente der europäischen Sitte, die daS Amt der Liebe zu einer Er«wcrböquellc gemacht. Was mir daoei besonders ausfiel, war, daß sich diese Araber,die doch sonjl auch selbst die kleinste Sache nicht ohne großes Geschrei verrichten, beidiesem frommen Wettstreite mir Ausland und ernster Ruhe benahmen. Der Wegführte am Jaffathore und der DavidSburg vorbei vor das SionSihor hinaus. Alöwir bum S>. J.ck^ skloster vorüber kaineu, sah ich einen bejahrten armenischen Mönchunter dem Portale, dessen Lipp,n mir im Gebete iür unsern Verliorbeuen sich zubewegen jchiene». Am Goneoacker auf ein B.r^e Siou hielt der Zug vor dem Grabedicht an ccr St.idlniauer, uuv ee> w rd>n d>e g>, brä,iä!l>chen G.be>e und Segnungenvollzogen, deieu Schlnv die Äbsingung cinig.r Psalmen bildete. Während diesesGejanges uahie em F>alcr der Leiche, zog das Batrinch >on dem osseuen Sarge,und nähte die Kaputze über dem Angesichre deS Vrrblichen.n zusammen. Darauf warddie Leiche aus dem Sarge gehoben und mit Stricken in das Gras gesenkt, welcheskaum über drei Schuh lief und so schmal war, daß eS eben geraüe den Körper auf-zunehmen genügte. Die bei Oeffnung deS Grabes zu Tage geförderten Todtengebeine— ich zählte barunter fünf Schädel — sorgfällig in ein Körbchen gelegt, wurdennun wieder zu den Füßen der Leiche in daS Grab gethan und fünf Minuten späterwar auch schon das ganze Grab mit Erde ausgefüllt uuv überdeckt, eine Arbeit, wo-bei einige der anwesenden Araber den Spaten deS GräbtrS mit ihren bloßen Händenunterstützten.
VIII. Ein Lb,rösterreicher sieht voll Angst zn, und verwundert sich, wie derPascha zugeben kann, daß man die Todten so nahe bei der Stadt und nur dreiSchuh lief unter der Erde begräbt. Er meint man sollte sie auSgraben und alleFriedhöfe verlegen; aber der Gedanke an die Ausführung macht ihm abermals bang,so, daß cr in seiner Verlegenheit daS Heimweh kriegt.
IX. Machen Sie sich nichts daraus, wenn ich Sie vom Reiche der Todtennun noch einmal zurück in daS der Lebendigen führe: man liebt eS ja in Bilder-sammlungen Gegensätze als Seitenftiicke aneinander zu reihen!
Ich habe vor ein paar Tagen einer TrauuugSfeier beigewohnt, welche gegen7 Uhr Abends in der Kirche des Salvatorklosters vollzogen wurde, und die vielleichtmanches bietet, daS Gegenstand Ihres Interesses seyn dürfte. Braut und Bräutigamsaßen auf einer Bank vor einem Altare mit dem Bilde der heiligen Jungfrau. DieBraut war in einen dichten rothen Schleier gehüllt, so daß ihre Gestalt ein völligesRäthsel blieb; ich sah nur, daß sie klein war; als sie aber die Hände aus denFalten ihres Schleiers wand, nm den Trauring in Empfang zu nehmen, war ich