Ausgabe 
14 (8.1.1854) 2
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nicht wenig erstaunt, denn ich glaubte eine Kinderhand zu sehen und imGrunde tauschte ich mich nicht! Man hat hier über daS heiratsfähige Alter nichtdieselben Begriffe, wie im Abendlande, Mit dem zwölften Lebensjahre ist ein Mäd-chen meist schon verheiraihet, und Ehemänner gibt eS, die kaum noch fünfzehn Jahrezählen. Bei den Lateinern tritt dieser Uebelstand jedoch bei weitem nicht so grell her»vor, als bei den Mohamedanern und vorzugsweise bei den Juden. Erinnern wiruns nur z. V. der Verbindung Mohameds mit Aischa , der neunjährigen TochterAbn BelerS. (Verlobt war sie schon im sechsten Jahre.) Mit vollstem Fug undRecht sieht Tobler in den frühen Hcirathen der Juden einen wahren Krebsschadenfür Israel. Oft sah ich, sa^t er, mit dem größten Unwillen Ai nnbärtiges knaben-haftes Jnvelein als Ehemännlcin oder ein kindisches Mädchen als Ehesräulein, Mandenke sich ein Kinderpaar im Ehestande, um gegen eine solche Unsitte mit Entrüstungerfüllt zu werde»! ES gehört mit zu den Verdiensten der Väter FranciScaner .daß diesem Uebelstande unter den Bekennen: deS katholischen Glaubens möglichstgesteuert worden ist, und sie sind eben daran, auch den Unfug einer acht- und vier-zehwägig/n Hochzcitsfeier abzuschaffen, der hier selbst unter den Lateinern Sitte,zugleich aber Ursache deö RuinS mancher Eheleute in den ersten Tagen ihrer Ver-bindung ist, da er sie in Schulden verwickelt, die sie später nimmer zahlen können.

Döllinger und Bunsen.

(Schluß.)

Wie fern aber die deutsche und besonders die protestantische Wissenschaft vonaller Tiefe nnd Gerechtigkeit im Urtheil ist, geht daraus hervor, daß Bnnsens Werkin Deutschland allgemein gepriesen wurde, während eS englische von Anglikanernherausgegebene Zeilungen als ein miserables Machwerk darstellten. Das muß manden Engländern lassen, die spießbürgerliche höchst verächtliche Lileraturkotterie, wie siein Deutschland herrscht und leider die ganze öffentliche Meinung (eigentlich Albernheit)beherrscht kennt man in England nicht und eine so ausschließliche Herrschaft,deren alte verrnmpclte Baßgeige in Deutschland noch immer dieAllgemeine Zeitung" ist, könnte in England auch gar nicht aufkommen. Soberichtet Döllinger S. 332:Der Christian Remembrnncer bezeichnet die ganzeDarstellung der Theologie deö Hippolytischen Zeitalters bei H. Bunsen als EineReihe von Entstellungen; er bemerkt, man ihm nie bezüglich irgend einer That-sache trauen dürfe; daß er in seinen Aphorismen ein in christliche Terminologie ge-hülltes System des Naturalismus ausstclle. Diesen Eindruck müssen Herrn iduufenSAeußerungen in England allerdings machen, wenn er B. geradezu sagt:diemenschliche Seele sey ein Theil des Selbstbewußtseyns Gottes ,'or aller endlichenEristenz;" wenn er die Vorstellung, daß die Offenbarung ein äußerlicherhistorischer Act sey, für eine falsche, eben so unhaltbare als «»philosophische unduuvernüuflige erklärt, und beisetzt:Diese irrthümliche Vorstellung ward daonrch nochverwirrender, daß sie für die Offenbarung deS göttlichen Willens und Wesens sichetwas Höheres als den menschlichen Geist ausmachte u. s. w." Woraufdenn Herr Äiiuscn den wahren Begriff der Offenbarung diesem falschen, der sie alseine geschichtliche Thatsache, ein wirkliches persönliches Eingreifen GvtteS in die Ge-schichte der Menschheit nimmt, cnlgegenstcllt:Die Offenbarung fft eine OffenbarungGottes im Menschengeiste, und wird nur so dargestellt, als ob Gott selber in mensch-licher Rede zum Menschen spräche. Sie hat zwei Faktoren, welche bei ihrer Ent-stehung zusammenwirken; der eine ist der unendliche Faktor oder die unmiitelbareOffenbarung der ewigen Wahrheit an den Geist durch die Kraft, welche dieser G'istbesitzt, sie wahrzunehmen; denn menschliche Wahrnehmung ist das Korrelativ göttlicherManifestation. Dieser unendliche Faktor ist, wie sich versteht, nicht geschicht-lich, er wohnt jeder einzelnen Seele in, nur mit unermeßlicher Verschiedenheit deS