Ausgabe 
14 (15.1.1854) 3
Seite
17
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

Vierzehnter Jahrgang.

So ttntags-Beiblatt

zur

Augsburger PoKzeitung.

15. Januar M"'- 1854.

Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Ab»nnementsvre>>Til kr., wofür es Knrch olle kvmgl. baver. Pniiämter vnd all« Buchhandlungen bezogen werden kann

Allocution Sr Heiligkeit Papst PiuS SX.,

gehalten in dem geheimen Consiftorinm am 19. December 1853.

Ehrwürdige Brüder! Von dem erhabenen apostolischen Stuhle anS, wie voneiner Burg und Zinne des katholischen Glaubens, haben Unsere Vorgänger, dierömischen Päpste, gemäß der ihnen von Gott gegebenen Gewalt, die ganze Kirche zuleiten, auch der morgenländischen Kirche ihre väterliche Obsorge zugewandtund nichts unterlassen, waS zu ihrer Beschützung und Unterstützung gereichen konnte.Welchen Fleiß und welche Sorgfalt und welche Mühe sie darauf verwendet, um zubewirken, daß diejenigen, welche von den Völkern des Morgenlandes durch eintrauriges Schisma von der römischen Kirche getrennt sink», sich dieser wieder williganschlössen und mit dem höchsten Hirten auf Erden, dem römischen Papste, wieGlieder mit dem Haupte sich vereinigten, das brauchen Wir, ehrwürdige Brüder,nicht weitläufig auseinander zu setzen; denn eS ist ench wohl bekannt und durchzahllose geschichtliche Dokumente bezeugt. Diesen herrlichen Beispielen väterlicherObsorge nacheifernd, haben Wir bereits im zweiten Jahre Unseres Pontificats analle Morgenländer ein apostolisches Schreiben erlassen, worin Wir sie eindringlich undliebevoll ermahnt haben, znr Gemeinschaft dieses heiligen Stuhles zurückzukehren undsich fest an ihn anzuschließen, und Wir haben die Nothwendigkeit dieses Anschlussesdurch viele triftige Gründe bewiesen, deren Wahrheit einleuchtend ist, waS auchmehrere schismalische Bischöfe in einer Schrift dagegen vorzubringen gewagt haben,worin sie das Gift ihrer eingewurzelten Bitterkeit gegen den apostolischen Stuhlausgegossen haben. Diese Schrift werden Wir, um die Irrthümer uud die Hartnäckigkeitder Schismatiker zu widerlegen, beantworten lassen; mittlerweile aber werden Wirnicht aufhören, für ihrer aller Heil den himmlischen Vater des Lichtes zu bitten undanzuflehen, iuvem Wir nicht von der christlichen Liebe ablassen, welche geduldig undgütig ist. Von dem Geiste dieser Liebe gleich Unö beseelt, haben Unsere Vorfahrendie heiligen Gebräuche, welche die morgenländische Kirche anwendet, und von welchensie erkannten, daß sie dem vrthoooren Glauben nicht wioersprecheu, nicht nur nichtverworfen, sondern geglaubt, daß dieselben, als durch das Alter ihres Ursprungsempfohlen und als großen Theils von den heiligen Vätern ausgegangen, zu bewahrenund beizubehalten seyen; ja, sie haben sogar durch weise Konstitutionen bestimmt, daßeS niemand erlaubt seyn solle, die morgenländischen Riten ohne Erlaubniß des Papsteszu verlassen. Sie wußten nämlich Wohl, daß die'unbefleckte Braut Christi mit einerwunderbaren, die Einheit nicht beeinträchtigenden Mannigfaltigkeit geziert ist, daß dieKirche, durch keine Ländcrgränzen beschränkt, alle Völker, Nationen und Stämmeumschließt, welche durch die Einheit und Uebereinstimmung des Glaubens verbundensind, wenn sie auch verschieden sind in Sitten, Sprachen und heiligen Gebränchen,