Ausgabe 
14 (15.1.1854) 3
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die Gränzen der Milde und Langmuth gegangen zu seyn. So viel wollen Wir jedocherklärt wissen, daß Wir keine Art von Forderung annehmen werden, die Wir derWürde und den Rechten dcS apostolischen Stuhles und dem Gewinne der Religionnicht zusagend finden.

Ihr seht, ehrwürdige Brüder, daß von Tag zu Tag zur Aufregung der Kircheneue Stürme entstehen und wüthen, UnS, die Wir am Steuerruder scheu, liegt dasStreben ob, mit eurer Mithilfe der Wuth der Wmde Trotz zu bieten. Fahrt fort,wie ihr bis jetzt gelhau, iu den Arbeiten auf so schwierigem und gefährliämn Wege,Beistand zu leisten. Soll Unser Strebeil aber, gedeihen, so müssen Wir die Hilfedesjenigen anrufen, welcher dem Meere nnd >den Winden gebeut. Möge er sichdurch gemeinsames Flehen erbitte» lassen uud die ersehnte Ruhe gewähren, möge ergnädig wollen, daß die nach fortwährenden Stürmen ruhende Kirche den sichernHafen erreiche.

Der rechte Wegweiser im neuen Jahr.

In vielen Marktflecken uud Dörfer» besteht der Gebrauch, daß der Nachtwächteriu der Nenjahrönacht bei allen Häusern berumgeht, vaS neue Jahr ansingt und seineSprüche hersagt. Nun so wünsche ich auch Dir, lieber Leser, ei» gutes, glückseligesneues Jahr, uud uicht mir das, sondern auch eine glückselige Ewigkeit.Aber mit dem Wünschen ist die Sache noch nicht abgethan, sondern es fragt sichnoch: waS muß ich denn thun, daß ich dieselbe auch wirklich erreiche? Viele glaubendieselbe auf einem Wege zu erlangen, wo sie durchaus nie dazu kommen. Ich willnun jetzt Dein Wegweiser seyn, und Dir zuerst zeigen, welche Wege Du uichtgehen sollst.

Erstens sollst Du nicht gehen den Thier weg. Sieh, das Thier ißt undtrinkt, legt sich nieder und veroaur, uud so geht's von einem Tag zum andern. DasThier ist eben nur für die Erde geschaffen, und seine höchste Seligkeit ist derGenuß, Da gibt es nun auch viele Meuscheu, welche im Essen, Trinken, Wollustund Bequemlichkeit ebeu thuu, was der Leib vermag, ja leider noch mehr. DaS istfreilich gar sonderbar, wenn der Mensch, dieses stolze Geschöpf, deu schmutzige» WegdeS Thieres wandelt. Daß das Borstenthier in der Pfütze nud Kolhlache sich wälzt,uud daran seine Freude hat, das wird Niemanden ärgern, und kein Mensch hall sichdawider auf. Aber daß der Mensch, dieses so vornchme Geschöpf nnd EbenbildGottes , oft in den Straßen hcrumwackett, wie wcun er Quecksilber im Hirn hätte, dasist mehr als abscheulich, ja mehr als thierisch. Ich habe einmal einen altdeutschenschwank gelesen. Darin heißt es: Gott Bater und der heilige Pcirnö seyen einmalzu einem Schmied gekommen und haben ihm erlaubt, daß er sich drei Gnaden ansbitte.Da sprach nun der Schmied unter andern auch diesen aus:daß, waö er immerin sein Käppchen l'!''eiu^ünsche, auch darin seyn müsse." Wie nun die Zeit kam,wo er die Reise in die Ewigkeit antrat, da ging er zum Himmelsthore uuo bat denPförtner St, PetruS um Einlaß, Petrus aber sagte: Das kann nicht seyn, dn paßtnicht hierher. Da ersuchte er den Petrus, er möchte ilnn doch wenigstens sein Käppchenin den Himmel hineinwerfen lassen, DaS gab Petru ! zu; aber kaum war eS darin,so wünschte sich der Schmied in sein Käppchen hinein, und im Nu saß er im Himmeld'riu. Nicht wahr, so etwas ließest Du dir auch gefallen? Aber so geht es dortnicht; da hilft keine List uud keiu Beirug; den» Gott kennt Dich durch und durch.Es geschieht in der Regel, daß die Sckuaps- und Bier- nnd Weinsänser plötzlicheines nnverschencn Todes abfahren, Waö glaubst Du mm, wenn Einer so hinüberziehtin die andere Welt, St. PeirnS werde ihn einlassen? Also aus dem Wege derGeimßsncht uud Wollust geht's zum Himmel uicht. Kein Säufer und Fresser, derenGott, wie St. Paulus sagt, der Bauch ist, d. h. die ihrem Leibe göttliche Ehreerweisen, indem sie auf jeden seiner unmäßigeu Winke folgen, dagegen aber GotteSGebot außer Acht lassen, ja gerade das Gegentheil thun, was Er befiehlt die