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von einem öffentlichen Konsistorium zu bilden. Die 8sls 0u<?3le, worin das letztestattfand, hat ihre Benennung daher, weil einst die Päpste in diescm Saale den„vueki cli mgMnr poton?»" Audienz ertheilten. Er ist ein längliches Viereck vonmitilcrer ÄuSdehnung, Mir kam er zuerst wie eine HauScapelle vor, bis ich dieweltliche Dekorationsmalerei an Decke nnd Wänden betrachtete. Der Saal ist durcheinen Mauerbogen in zwei Abtheilungen gesondert. In der ersten Abtheilung standendie Schweizer Spalier für den Durchgang; rechts und links hinter ihnen Publikum;eine Tribune neben dem Ein^an^e — gefüllt mit Damen. Der Eintritt in die zweiteAbtheilung war erschwert. Im Hintergrunde unter dem Baldachin der Thron. Rechtsund links der Länge nach eine tapezirte Wank, von fünf Kuß Höhe mit je einerSitzreihe über einer Vorstufe; gleiche Bänke an der Querwand des MiltclvogcnS.Die Cardinäle traten nach und nach ein, setzten sich nach Rang und Al'er; zu denFüßen eines Jede» auf der Vorstufe saß der Schleppträger. Auf der linken Seitedeö SaaleS erhob sich eine Tribuue für die vornehmsten Gäste. Hier befand sich derjunge Prinz Friedrich Wilhelm von Prenßen. Es war wohlthuend für das Herz,die Art und Weise zu betrachten, wie Eardinäle mit einander verkehren, die Ehrfurchtgegen die ältesten, die Traulichkeit un?> Brüderlichkeit, diese milde Würde ohne alleSteifheit und Herbe. Der Cardinal Wiseman hatte trotz angeblicher Kränklichkeit einvollkommen gesundes Aussehen. Seine Stirne trägt die Signatur der Genialität;Offenheit und Energie ist das Gepräge des etwas runden Gesichte?. Die LebhaftigkeitdeS Auges wird hinter der Brille nur hie uno da bemerkt. Er ist von großer starkerStatur. — In der allernächsten Nähe konnte ich den Cardinal-Diacon Antonellisehen, ein Mann, dem Aenßem nach etwa von achtnndvierzig Iahren, ein ziemlichhoher, schlanker Wuchs, ein laugeS, etwas bleiches, interessantes, geistreiches Gesichtmit rollenden Gluthaugen und seelen?oller Miene trotz der etwaö vortretenden Unterlippe,in den Bewegungen von entschiedenem Ausdrucke, jetzt Würde, jetzt Anmuth. Währenddie hohen Herren in behaglicher, selbst heilerer Stimmung sich unterhielten, saß derCardinal aus dem Capucincrorven füll und in sich gekehrt, ein zart gebauter Greismit grauem Barte, ein Musterbild von Gutmüthigkcit und Ernst, von Demuth undGeistessammlung. Die Thüre zur Linken deS Throneö öffnete sich; Prälaten undgeistliche Hosherren traten heran, ?io IX. erschien — mit der Jnful aus dem Haupte,vom Pluviaie umwallt. Se. Hei igkeit ließ sich auf den Thron nieder. Würdevoller,imponirender Ernst herrschte in Haltung uno Antlitz. Die Cardinäle traten zum KüssedeS Ringes vor. In der Art, wie der heilige Vater die Hand hinreichte, und imBlicke, der diese Bewegung begleitete, wurde die Huld nn? Liebe bemerkbar. Nachdemdie dreißig anwesenden Cardinäle diese Huldigung vollzogen hatten, wurde bezüglicheiner Vcalification ein Document vorgelesen. Inzwischen begann die Einführungder zwei neuernannten Cardinä'e. Brunelli trat zuerst vor, ein Herr von etwasechSuudfünfzig Jahren. Er küßte den Pantoffel, dann den Ring uud wurde vondem heiligen Vater mr.-nnt. Eben so der elwas jüngere, schlanke Cardinal Pecci,Bischof von Perugia . Jeder umarmte der Reihe nach sämmtliche Cardinäle und cSwar rührend zu sehen, mit welcher »»egenseitigen Wärme und Liebe dieß geschah. Dieunterbrochene Lesung wurde fortgesetzt, dauerte aber nur kurze Zeit. Jetzt knieteBrunelli vor dem heiligen Vater. Der rothe Cardinalhur wurde auf sei» Hauptgelegt, während der heilige Vater mit sonorer Stimme das Gebet sprach: ^ecipsruhrum hierum :c. :c. zum Sinnbilde heiliger Standhastigkeit usczue effusionemssnßuinis. Sofort nahm Brunelli den Cardinalsitz ein, nnd nach ihm sein Genosse.Der heilige Vater ertheilte den Segen und zog sich mit Gefolge durch die Seiteuthürezurück Gesaug ertönte und die Cardinäle wandelten auS dem Saale und quer durchden großen Königssaal in die Sirtiniiche Capelle, wo ein Danieder die Feierlichkeitbeschloß. (Salzb. K.-Bl.)