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Der Märtyrer Geronimo und die Entdeckung seiner NeberrefAe
„Am 27. v. M. — so berichtet der „Akhbar " — bemerkten die Artilleristen,welche den Wall der an der Straße gelegenen, unter dem Namen „Fort deSvingt - quatre - hcureS" in Algier bekannten Citadelle sprengten, beim Wegräumen desSchulteö eine Höhlung, in welcher Gebeine lagen. Sie setzten den ArtillerichauptmannSnsüii, dcr die Sprengarbciten dirigirte, sogleich davon in Kenntniß.
Es bedürfte feiner langen Untersuchung, nm zur Gewißheit zu gelangen, daßman hier endlich den Leib des Märtyrers Geronimo entdeckt habe, dessen rührendeGeschichte von Herrn Berbrugger, KnstoS der Bibliothek nnd des Museums in Algier ,im Jahre 1847 veröffentlicht worden ist. Man hatte zuerst nach vagen Anweisungenin den dem Meere zugewendeten Wällen suchen zu müssen geglaubt und war, da dortnichts vorgefunden wurde, bereits zur Ansicht gelangt, eS seyen diese kostbaren, mitso vieler Sorgfalt misgcsnchten Reste bei Anlegung nener Bauten, deren Spurenersichtlich waren, verloren gegangen, als man so unerwartet zu der eben erwähntenEntdeckung gelangte.
Eine zur Sprengung der innern Mauerschichten bestimmte Petarde hatte plötzlichden Raum eröffnet, in welchem Geroninro's Leid lag, ohne ihn jedoch im Mindestenzu beschädigen.
Der Märtyrer wurde auf dem Gesichte liegend gefunden, mit aneinandergedrückten Beinen und hinter dem Rücken gekreuzten Armen; der Strick, mit demseine Hände gebunden gewesen waren, klebte noch lhcilweise am Mörtel, eben so dienoch recht gut erkennbaren Kleidungsstücke. Der ganze Körper hat sich in den Bodendergestalt, ehe er verweste, eingedrückt, daß sich sehr leicht ein genauer Gypsabgußder Gestalt des Märtyrers machen ließe.
Gleich nachdem der hochwürdige Bischof von Algier , Monsignor Pavy, Kenntnißvon dem Funde erhalten halte, begab er sich zu dessen Besichtigung an Ort und Stelle;Gleiches thaten noch an demselben Tage alle Mitglieder deS Algier 'schen KleruS, derdortige Prüftet nnd viele angesehene Beamte, am folgenden Morgen der General-Gouvcrneuer Graf Randon mir seiner Familie, General (5habaud-Latour:c.
Der vom „Akhb.'r" mitgetheilteil Legende deS MärtyrrrS entlehnen wir Nach-stehendes:
„Noch heut zu Tage erblickt man in Algier , oberhalb der Pforte des „Fort desvingt-quatre-heureö" eine arabische Inschrift aus dem Jahre 1569, der Zeit, in wel-cher dcr kalabresische Renegal Ali, damals Pascha von Algier und später Kapudcm-Pascha oeS Großhcrrn, diese Nerschanzungen aufführen ließ, um ailfälliges Landenan der Küste von Bab-el-Ued zu verhindern. Die nördliche Mauer dieses Bauwerkesist ein bloßer Erdwall und schließt wahrscheinlich jetzt noch die sterbliche Hülle einesChristen ein, dem die Märtyrerpalme unter folgenden entsetzlichen Umständen zuTheil wurde.
Bei einer Razzia, welche die spanische Garnison von Oran gegen ungehorsameAraber im Jahre 1538 unternahm, wurden mehrere Gefangene gemacht, unter denensich auch «iu schöner Knabe befand, der dem Herkommen gemäß nebst der übrigenBeute verkauft wurde, damit der Erlös leichter vertheilt werden könne. Der General-viear und Liccnciat Juan Caro kaufte das Kind, uuterrichtele eS in der christlichenReligion, taufte eS und legte ihm den Namen Geronimo bei.
Im Jahre 1542 würhete die Pest in Oran ; fast alle Spanier hatten die Stadtverlassen, um im freien Felde unter Zelten zu weilen. Die wenigen, noch zurückge-blicbeuen Soldaten waren in Folge ihrer Angst vor der Seuche nicht so wachsam wiegewöhnlich. Einige arabische Gefangene benutzten diesen Umstand, ergriffen die Flucht,nahmen den kleinen, damals achtjährigen Geronimo mit sich und brachten ihn seinenEltern zurück.
In so zartem Alter und unter solchen Umständen war es wohl natürlich, daß