Ausgabe 
14 (22.1.1854) 4
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der neue Christ unter den Seinigen die religiösen Ideen wieder vergaß, die der ehr-würdige Juan Caro ihm beigebracht hatte und wieder ganz Muselmann wurde. Dochwurden die in das junge Herz gepflanzten Keime deS Christenthums nicht ganz ersticktund so geschah eS, daß Geronimo im Alter von fünfundzwanzig Jahren den Planfaßte, nach Oran zurückzukehren und sich dort neuerdings zum wahren Glauben zubekennen.

Der würdige Juan Caro nahm ihn freudigst auf und verheirathete ihn, um ihnin seinem frommen Gedanken noch mehr zu bestärken, im Jahre 1559 mit einer jungenAraderin, die ebenfalls Christin geworden war. Geronimo lebte nun zehn Jahre inOran , wo er sich als Soldat eben so nützlich als eifrig bewährte.

Im Mai 1569 war er mit neun andern Gefährten in einer Barke von Oran aufgebrochen, um ein am MeereSufcr liegendes arabisches Dorf zu überfallen. Schonnäherten sie sich dem Ziele ihrer Reise, als sie bei Sonnenaufgang von zwei nachTetuan gehörenden Brigantinen wahrgenommen und verfolgt wurden. Vergebenssuchten sie zu entkommen; sie wurden gefangen, nach Algier geführt und als Sklavenverkauft.

Geronimo fiel dem Pascha zu, demselben kalabrcsischen Renegaten, dessen wirbereits gedacht haben; er wurde in dessen Bazno abgeführt. Die Algierer, welcheaus dem Verkauf der Sklaven vielen Nutzen zogen, wendeten stetS alle Alt von Liftund Schlauheit an, um über die Autecedentien ihrer Gefangenen inS Klare zu kom-men und sie so mit größerem Vortheile ranzioniren zu können. In solcher Weiseerfuhr man auch, daß Geronimo ursprünglich Museimaun gewesen war.

Nun wurde das Acußerste aufgeboten, um ihn wieder der hl. Kirche abtrünnigzu machen. Alle MustiS, Kadis, MarabutS , alle Schriftgelehrtcn Algiers und seinerUmgebungen eilten ins Bagno, wo Geronimo in Ketten lag; sie wendeten aber Müheund Beredsamkeit vergeblich an; Geronimo erklärte in energischer, enlschiedener Weise,er sey freiwillig und auS Ueberzeugung Kaiholik geworden und werde als solcher ster-ben. Die Ulemas nahmen sodann ihre Zuflucht zu Drohungen, die aber auch keinanderes Resultat herbeüührten.

Alle muselmäunischen Schriftgelchrten begaben sich nun zu Ali Pascha , erzähltenihm das Vorgefallene und baren ihn, einen so sträflichen Eigensinn in exemplarischer,abschreckender Weise zu bestrafen. Ali ergriff diesen Anlaß, um seinen religiösenEifer in eklatanter Weife zu bewähren; er verhieß sogleich Alles, was von ihm ver-langt wurde.

Der Pascha war damals (September 1569) mit dem Bau eines Fortö vordem Stadtthore Bab-el-Ued beschäftigt, desselben Forts, daS gegenwärtig ohne be-kannten Gründ als Fort des vingi-qualre-hcures bezeichnet wird; er nahm öster dieArbeiten in Augenschein und drängte die Werkleuie zu unausgesetzter Thätigkeit. EineSTages besichtigte er in sehr nachdenklicher Weise die großen Kisten, in denen Thonund Erde zu Ma^.n geformt wurden; plötzlich rief er einen gewissen Michel vonNavarra herbei, einen Christen, der an der Spitze der Manerarbeiten stand; er sagtezu ihm:

Michel, lasse die große Kiste hier leer bis morgen; sie soll mit dem Leibe jenesHundes ausgefüllt werden, der sich weigert, zum Glauben MahomedS zurückzukehren.

Nach diesen Worten kehrte er wieder in seinen Palast zurück.

Am Abeuee desselben Tciges sammelte Michel nach verrichteter Arbeit alle seineUntersklaven uno begab sich mit ihnen ins Bagno, wo er Geronimo von dem Vor-gefallenen in Kenntniß setzte nnd ihn aufforderte, sich der Nothwendigkeit zu fügen.

Vor Allem sey Gott gepriesen! rief der künftige Märtyrer aus. Ichfürchte die entsetzlichen Todesqualen nicht, welche diese Ungläubigen mir bereiten undwerbe mich durch Äugst vor denselben nickt vom wahren Glauben abwendig machenlassen. Möge der Herr mir nur meine Sünden verzeihen und meinen Geist in Gna-den aufnehmen!

Von diesem Augenblicke an bereitete sich Geronimo auf das Bluizeugniß vor,