Ausgabe 
14 (22.1.1854) 4
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das er nächsten TageS abzulegen berufen war. Im Bagno war eine Capelle, unterden Sklaven befand sich ein Priester; dieser versah ihn mit den letzten Tröstungen derReligion, woraus er die Nackt im Gebete zubrachte.

Am 18. September l569, schon am frühen Morgen, kamen vier Schergen desPaschaS, die nach Geronimo fragte»; als er sie kommen hörte, ging er ihnen auSder Capelle entgegen.

Verräther, Hund, - riefen sie ihm entgegen, - warum willst du nicht wiederMuselmann werden?

Der arme Sklave ließ sich ohne ein Wort zu erwidern von ihnen nach demFort führen; dort befand sich bereits Ali Pascha , begleitet von einer großen AnzahlTürken, Mauren und Renegaten, die sämmtlich sckon nach dem Blute dcS Christenlechzten.

Nun, Hund, rief ihm Ali entgegen, willst du zum JSlam zurückkehren?

Um keinen Preis, lautete die Antwort; ich bin Christ und werde eSbleiben.

Blicke auf diese Kiste. heulte der wüthende Pascha; in ihr lasse ichdich lebendig begraben.

Thu wie du willst, enrgegnetc muthig der Märtyrer, ich bin aufdaS Schlimmste gefaßt und werde vom Glauben meines Herrn JesuS Christus nichtabfallen.

Nun ließ ihm Ali Pascha die Ketten abnehmen, ihn an Händm und Füßen mitStricken binden und in die Kiste werfen,

Ein spanischer Renegat sprang mit Wuth auf den Leib deS armen Geronimo,verlangte nach Erde und einer Stampfe, welchem Bekehren sogleich willfahrt wurde.Nun begann der Elende auf den Unglücklichen l^Szustampfen und zu schlagen, ohneihm jedoch eine einzige Klage, einen einzigen Schrei entreißen zn können.

Bald war Geronimo unter dcu Erdschichten erstickt.

Die Kiste wurde bis an den Nanv vollgkfüllt; der Märtyrer war für dreihun-dert Jahre in sein glorreiches Grab gelegt. Wild jauchzend kehrten die mordlustigcnTiger in Menschengestalt, zufriedengestellt durch den Anblick der gräulichen Mordthat,im Gefolge Ali Paschas nach Algier zurück, der unwillkürlich ausrief:

Wahrlich ich hätte uicht geglaubt, daß dieser Christ so muthig zu sterbenim Stande seyn würde.

Mehr als einmal hatten die christlichen Sklaven daran gedacht, den Leib deSMärtyrers auS der Erdmauer zu nehmi,,.; einmal aber ließ die beständige Wachsam-keit d.r Türken die Sache als sehr schwierig erscheinen; dann bedachten sie anck daßsie unmöglich eine glorreichere Grabstätte für den Ermordeten finden konnten, alS denOrt, an dem er sein Leben für den Glauben geopfert h.i^e und der den Blicken derTürken, Renegaren und Christen fortwährend ausgesetzt blieb."

vi Newman und dessen Bruder.

Die beiden Brüder Johann und Franz Wilhelm Newman sind beide in ihrerArt hervorragende Männer, gleich talentvoll, gelehrt und entschieden. Beide wurdenals Angiitancr erzogen; beide jühlien bald daS Ungenüguide und Unhaltbare deSenglischen Protestantismus, und beide wünschten, Christen zu seyn, ohne aufzuhören,Protestanten zu seyn und ohne mit den Reformatoren zn brechen. Von da an gingensie aber auseinander. Der ältere Bruder ist jetzt ein katholischer Priester und Supenorder englischen Oratorianer. Er ging davon auS, die wahre Bedeutung der Refor-mation liege in den Elementen der christlichen Wahrheit, die sie beibehalten; er griffdiese auf, trennre sie von den negativen Grundsätzen, welche die Reformatoren vamilverbunden, und suchte sie in katholischem Sinne zu entwickeln und zu vervollständigen.Er wurde so der Begründer der traltarianischen oder puseytischen Partei, deren Zweck