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Gräfin Hoogstraatcn Voerde, in der Fürstlich Salm-Salm'schen Schloßkapelle zu AnhaltdaS katholische Glaubensbekenntnis) ab. Am 20. November Gsrörer, Professor an derUniversität zu Frciburg.
Vierundsechzig Lehrsprüche aus dem Munde des heil. PbiltppuS
Nert.
Der hl. Philipp Neri , ein Mann ausgezeichnet durch Wissenschaft und Heiligkeit,und sehr erfahren in der Seelenführnng, hat zu seiner Zeit Unglaubliches gewirkt.Gelegentlich gab er den Seinigen mehrere Lehren und Winke, die unö seine Freundeaufbewahrt haben. Einige von diesen folgen hier zum Nutzen der Leser veS Sonnlags-BeiblaticS.
1. Der hl. Philippuö wurde seit seiner frühesten Jugend vom Herrn vieler Gna-den gewürdigt, er hegte eine lebhafte Neigung sür das Geistliche und verschmähte allesdas, was die Welt schätzt, wie die Liebe zu den Verwandten, die Erhöhung derFamilie, die Vermehrung der Reichthümer so sehr, daß er seinem Oheim, der ihnzärtlich liebte und ihm zusprach, von seinem Vorhaben, sich ganz dem Dienste GotteSzu widmen, abzustehen, indem er ihn zum Erben aller seiner Güter, deren Werth sichauf 22 Millionen Scudi belicf, einsetzen zu wollen verhieß und ferner bemerkte, vaßmit ihm die Familie auSsterben und somit die ihm zu Theil gewordenen Wohlthatenfruchtlos bleiben würden, mit jener bescheidenen Kürze, die in derartigen Entschließ»»»gen erfordert wird, antwortete.- nie werde er der empfangenen Wohlthaten vergessen —übrigens lobe er mehr seine Zuneigung als seinen Rath.
2. Zu Rom bot sich dem hl. Philippns die erwünschte Gelegenheit dar, Gortnach seinem Verlangen zn dienen. Dort lag er den Wissenschaften ob und machte indenselben solche Fortschritte, daß er nicht nur zn seinem eigenen Nntzen hinreichendin ihnen bewandert war, sondern auch noch zum Frommen deS Nächsten damit wirkenkonnte. Aber jenes Wort des Apostels erwägend: „nicht mehr zn wissen, als Noththut," ließ er jene Bestrebungen fahren, um sich ganz der Wissenschaft des Gekreu-zigten zu weihen. Daher wählte er sich, mehr als früher der Einsamkeit und beson-ders deS Schweigens, deS GcbeteS und der FlcischeSabtövtnng beflissen, die AndachtenÜbung, zu den sieben Kirchen und Katakomben deö hl. Sebastian unter beständigemGebete zu wallfahren; dabei wurde er von einer solchen Fülle himmlischen Trostesüberströmt, daß er der brennenden Liebeöglnth nicht mehr mächlig, zn Gott auörief:„ES ist genug, o Herr, es ist genug!" Darum ist'S nicht zu verwundern, daß ervoll vom Besitze seines Gottes, häufig sagte: „Dem, der Gott wahrhaft liebe, seynichts beschwerlicher und lästiger «lS daS Leben," öfter jenes Wort wiederholend: Derwahre Diener Gottes erduldet daö Leben, ersehnt den Tov.
3. Niemals gestattete er den Scinigen. daß sie um des Studirens willen diegemeinsamen Uebungen, wie daS Gebet, die Ermahnnugcu (Anreden) Beichlhören undandere gewöhnliche Verrichtungen unterließen; er hielt sie keineswegs vom Stndiren ab,sondern schärfte ihnen nur ein, bei demselben ihr Augenmerk auf die Gegenstände hin»zulenkeu, welche ihrem Berufe (dem Orden) einsprächen, und nicht darauf bedacht zuseyn, daß sie unter den Ander» gelehrt schienen; der wahre Diener GotteS , sagte er,muß dahin streben, daß er wisse, nicht aber zu wissen scheine; er soll mehr durchGebet als durch Studium in die Geheimnisse der hl. Schrift eindringen.
Titel und Inhalt zum Jahrgang 18ZS wird mit der nächsten Nummerausgegeben.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlag»-Inhaber: F. C. Kremer.