Ausgabe 
14 (29.1.1854) 5
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Bierundsechzig Lehrsprüche auö dem Munde deS heil. PhilippuS

Nert.

4. Er sah es lieber, wenn die Priester die heilige Messe elwaS rasch als zulangsam lasen, b.ibei jedoch so viel Zelt gebrauchten, als die Würde einer solchenHandlung erheischt. Wenn er daher bei der heiligen Messe eine Abströmende Fülleder Andacht verspürte, so pflegte cr sie ermahnend zn sagen:nicht hier wünschte ichdich, sondern in der Zelle," damir andeutend, daß man allerdings die heilige Messemir Inbrunst feiern müsse, aber nicht bis znm Ueberdruß der Beiwohnenden, nachherkönne man auf seinem Zimmer der Andacht freien Lauf lassen.

5. Sein Vertrauen, Gott werde seine OrdtiiSgesellschast erhalten, war so fest,daß er, wen,» auch alle sie hätten verlassen wollen, sich nicht im Geringsten würdegeängstigt haben; sein Wahlipruch war:Gort bedars der M.nschen mchl", und wennJemand auslral, so pflegte er zu sagen:Gott ist mächtig, auS diesen Slcinen Kin-der Abrahams zu erwecken."

6 Er leitete die Versammlung mit der größten Umsicht und K ngheit, so,daß er alle im heiligen Friede» und in der Eintracht erhielt. Es kann sich Niemanddenken, pflegre er zn sagen, ivie schwer es sey, freie Wesen mir einander in Einigkeitzn erhalle» und dieß kann man nicht leicht durch ein anderes Mittel erreichen, alsdadurch, daß man sich gütig erweist und sparsam im Befehlen; deshalb fügte er auchhinzu: Wer will, daß man ihm viel gehorche, der muß wenig befehlen.

7. Den, Ungehorsam war er so sehr feind, daß cr diejenigen, welche in irgendeinem Siiicke e ne bedenrenr-e Widerspenstigkeit gezeigt, so orl auS dem Orden eniferntwissen wollte, wenn sie nicht schon selbst ihre Enliassnng bcgehne». Es stchr bei mirfe>r, sagre er, keine Menschen zu dulden, die jene kleinen Vorschriften, die ihnengegeben woiden, nicht beobachten.

8. Damit sie desto mehr sich selbst und ihren Eigenwillen überwänden, bestander, sobald er an ihnen ein Widerstrebe» remerkte oder eine Sucht sich zu en schnldigen,nur um so fester auf seinen Befehlen; ja cr verwies sic zu widerHollen Malen in einernach ihrer Ansicht uiigelegene» Zeit und Stunde an die Geschäfte; und vaS allesthar der heilige Mann, weil ihm s^ sehr daran lag, daß seine geistlichen Söhne ihreVernunft ablotete« und eimn demüthigen Geist hätten, damir sie nicht, wie er sagre,eine hehe Meinung von sich selbst hegien.

9. Ferner hieli er das für einen wesentlichen Punct in der L.itung einesOrdens, daß die Einlünfie mir großer Spmamkeir verausgabt würden, indem er sie,wie sie eS denn auch sind, Girier der Armen und Erbe Ehristi nanirre und hierinwar er so behutsam, daß cr dem Orden keine Kosten g-starere, die nicht mehr alsnolhweudig warcn. Bei dieser Gelcgenheir sühne er a», was Johannes CasfiannSvon jenem Koch schreibt, der von seinen Vorgesehen scharf geradelt ward, w-.il erdrei Zinsen verschleudert; und von dem heiligen Anronius, Erzdischof von Florenz, der bei der Kirchenlampe stuvirtc, um nichr, wie er sagle, das Vermögen der Armenzu vermindern. Und wenn ihm Jemand bcmcrtie, diese viengstlichkeil sey übcrlricden,so erwiderte cr:Nehmet mir jenes Bedenken, daß eS Kirchen^ul sey, und dann lhutwas ihr wollt."

10. Die Tugend deS Gehorsams lebrte PhilippuS durch Wort und Beispiel;so ließ er nie auch den lciiesten Wink seiner Oo.rn in Angelegenh-iren deS OivenSunberücksichligr, und war in dem, was täglich im Or»en besorgt werden mußie. mochteeS nun den öffenrlichen oder besondern Tiefst belrefscn, immer und überall am püncl-lichsten, und zwar in dem Grade, daß er, um Geschäfte willen ans Thor oder zumMesselcsen in die Sacristei, oder zum Beichihören in der Kirche gerufen, AUcS liegenließ und augenblicklich gehoretue; für Alle und jeden Einzelne» kam er zu jeder Zeit,nicht mehr als einmal gerufeu, indem cr sag e:besser sey eS, jenem Kültcr oderThürhüter, v,n dem man gerufen werde, zu gehorchen, als in seiner Zelle »ri ren imGebue zu verharren." Wenn ihm Jemand bemertte, man müsse doch dem Priester,