Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augstmrger PoKMnng.
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5. Februar- M- « 1854.
Dieses Blatt erscheint cegelmäHig all^ ^o-rntage. Der hnwjährlge Abmmement-dretalr., wvs»r e« durch «lle k5nigl. t'aher. Poftänlt?r und M,' Unchhaudluvs,?n l'szoffkn werd«« kmin
Einfluß der Lectüre der heiligen Väter auf die Converfion des
Dr. Newmann.
„Seit meiner zartesten Kindheit," sagt der P. Newmann in einer seiner Kon-ferenzen, „richtete die Lectüre der Kirchengeschichte von Milner all meine Gedankenauf die ersten Jahrhunderte der Kirche, und insbesondere auf die Väter dieser Zeit.Nie werde ich vergessen, und nie werde ich ihn meinein Gedächtniß entfliehen lassen,den riefen und angenehmen Eindruck, welchen die Brüder von St. AmbrvsiuS undSt. Augustmus, wie dieser Schriftsteller sie mir zeichnete, auf meinen Geist machten.Der Hinblick auf diese Väter war seitdem für meine Einbildungskraft, ich muß eSgestchen, ein wahres Paradies, ein Ort der Wonne, nach welchem meine Gedankensich allemal hiuverschten, wenn meine Beschäftigung dieses zuließ. Als ich ansing,ihre Werke mit Aufmerksamkeit und Methode zu studiren, da suchte ich sie zu anali-siren und ihre Lehren und Principien zusammenznstell-n. Nachdem ich sie so mitSorgfalt studirt und bis ins Kleinste hinein klar gelegt hatte, und meine Arbeit noch-mals überblickte, nahm ich wahr, daß ich nichts gelhan, daß ich durch diese Mühensehr wenig gelernt hatte, und daß diese Väter, welche ich gelesen und die der Periodevor dem Concil von Nicäa angehorten, wenig von der Glaubenslehre enthielten.Ich urtheilte nach dem, wnS ich davon gelesen halte. Zu jeuer Zeit begriff ich dieUrsache dieses Resultates noch nicht; später aber erschien sie mir in ihrer ganzenKlarheit. Ich hatte diese Väter mit den Ideen eines Protestanten gelesen; sie anali-sirt und zusammengestellt nach den EintheilungS-Principien, welche bei den Protestan-ten in Praxis sind; ich hatte in ihren Schriften protestantische Lehren und Gebräuchegesucht. Meine Rubriken waren: „Rechlfertigung durch den Glauben allein," „Heili-gung," nnd andere dergleichen. WaS ich in den Vätern suchen sollte, wußte ich nicht;ich suchte das, was nicht darin war und profitirte nicht von dem, was sie enthielten;tappend irrte ich in der Dunkelheit umher und saud nichts. Indessen muß ich docheine Sache von der größten Wichtigkeit bemerken: Durch diese Lectüre bekam ich einensehr klaren Begriff von der göttlichen Einsetzung dcS Episkopats und dessen Atlributen,wodurch meine protestantischen Grundsätze sehr erschüttert wurden.
Nach einigen Jahren mußte ich mich mit der Geschichte des Ariauismus beschäf-tigen, und begann ich das Studium der Vä-er aufö Neue. Ich laS sie mit der De-fensiv von Bull, die mir als Schlüssel diente, in so fern als diese Schrift solchesseyn konnte; aber ich erinnere mich nicht, daß ich zu dieser Zeit einen andern Ge-brauch von den Vätern, bezüglich der Doctrin, gemacht habe.
Ich hatte sie fast zu dem einzigen Zwecke studirt, nm die Controverse in Betreffder Person Jesu Christi kennen zu lernen; in einem Zeitraum von einigen Jahrenwidmete ich zwei Sommer der Prüfung dieser Controverse. Endlich fing ich an, die