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Väter ohne Beihilfe eines Schriftstellers zu lesen, da kein anglikanischer Autor dieFragen, womit ich mich beschäftigte, auf eine so genaue und detaillirte Weise behan-delt hatte.
Als ick die Väter zum ersten Mal zur Hand nahm, las ich sie als Protestant,das zweite Mal ungefähr wie ein Anglikaner. jedoch halten meine frühern Theorienund Systeme durch diese Lesungen eine katholische Färbung erhalten. In dem erstender genannten Sommer beschränkte ich mich bei meinen Studien nur auf die Glau-benslehre, ich schloß die Geschichte ganz auS, und so blieb ich in Bezug auf die Fragevon der katholischen Kirche fast auf demselben Puncte, wo ich beim Beginn stand;im zweiten Sommer aber machte ich die Controverse der Monophysiten, so wie dieVorfälle und Arbeiten des Concils von Chalcedon im fünften Jahrhundert zumGegenstand meiner Studien. In Folge dessen bemerkte ich, daß mein Glaube an dieSolidität der Fundamentalgrundsätze des AnglikaniSmus ganz verschwunden, und andessen Stelle ein Zweifel getreten war, der mich nie wieder verließ. Ich glaubte inder genannten Controverse, und in dem damit in Verbindung stehenden allgemeinenConcil eine klare Darstellung des gegenwärngen Zustandes des Christenthums zn sehen,und eine Erklärung der verschiedenen Parteien und Persönlichkeiten, welche zur Zeitder Reformation sowohl auf Seite der Katholiken wie der Protestanten figurirren.Während des Herbstes desselben Jcchreö las ich eine Schrift bezüglich des Schismasder Donatisten, welche meinem Geiste den durch die Geschichte der Monovhysitenempfangenen Eindruck tiefer einprägte; ich wurde ergriffen und geblendet von demneuen Gesichtspuncle, unter welchem diese Thatsachen sich mir darstellten. Da ichmeinem Urtheile nicht zu trauen wagte, so beschloß ich, um tie Frage noch besser zuergründen, meinen Geist einige Zeit davon abzulenken, und ich kam erst wieder darauszurück, als ich beabsichtigte, die Abhandlung des heiligen Athanasiuö über die Glau-benslehre zu übersetzen. Die arianische Controverse und das Concil von Nicäa nahmbei dieser Arbeit meine Aufmerksamkeit in Anspruch; klar stellte sich in dieser Geschichtemeinem Geiste das dar, was ich anfangs nicht darin gesehen Halle, nämlich: dieselbeErscheinung, welche ich schon in der Geschichte des heiligen Leo und der Monovhysitenwahrgenommen hatte. Wenn seit dieser Zeit mein Fortschreiten im Glanben an diekatholische Kirche einige Unterbrechung erlitt, so geschah dieß nicht deßhalb, daß ich.irgendwie Vertrauen zum » Anglikauismus und seinen Glaubenslehren gehabt hätte,sondern Einwürfe eigenthümlicher Art, die zu widerlegen sich mir kein Mittel darbot,beschäftigten meinen Geist, und fürchtete ich, daß ich meine Illusion umgarnt hätte,da die Ansichten so vieler anderer Personen von den meinigen ganz verschieden waren."(Rhein . Krchbl.)
Parallele»! in Baden.
Bereits suchr die badische Regierung im Gefühle der Unbehaglichst nachNechlSgründcn, um ihre Gewaltstreiche gegen die katholische Kirche dadurch scheinbarzn rechtfertigen. Da es aber zwischen Recht und Unrecht, zwischen Sittlichkeit undunsittlichem Gebahren kein Mittelding gibt, so kann obiger Zweck nur dadurchtheilweise erreicht werden, wenn man der urtheilölosen Menge durch Entstellung desthatsächlichen Sachverhaltes, und Verdrehung allgemein giltiger Rcchtsgrundsätze Sandin die Augen zu streuen sucht. So hat jüngst ein gewappneter Kämpfer im Soldeder badischen Bureaukratie den Erzbischof von Freiburg durch die Zusammenstellungdesselben mit den Koryphäen der deutschen Revolution in den Augen derWelt moralisch todtzuschlagen versucht. Wir wollen uns mm einen kurze» Vergleichzwischen der Handlungsweise des ErzbischofeS und seiner Verfolger erlauben, und dannihr beiderseitiges Verhalten mit den Tendenzen der Umsturzpartei zusammenhalten, umdaraus zu sehen, wer denn eigentlich unter die hohen Protektoren der Freischärlereigezählt werden müsse. Woraus ging denn eigentlich das Streben Kossuth'S , Mazzini's,Brentano'S, Hecker'ö, Struve'S, Ronge's -c. ic. hinaus? Sie haben das historische