Ausgabe 
14 (5.2.1854) 6
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Recht ihrer Regierungen in Frage gestellt, die politische und sociale Verfassung ihresLandes aus eine ihren demokratischen Ideen entsprechende Weise umzumodeln tentirt.Hat nun auch der Freiburger Erzbischof dergleichen in seinem Vaterlande versucht?Mit Nichten! Er hat sich vielmehr bei allen seinen Protesten stets nur auf dieGrundsätze der anerkannten badischen Verfassung berufen, und die durch dieselbengaraiuirten, aber lange vorenthaltenen geistlichen Rechte der Kirche reklamirt. Einzigdurch die Macht des gesetzmäßigen Protestes, durch passiven Widerstand und durch dieWaffen deS GebeteS und der Bekennertreue suchte er zu seinem Ziele zu gelange».Was haben dagegen seine Dränger gethan? Sie haben durch ihre kirchcuvcrknechtendenMaaßregeln die tausendjährige Ordnung in der Verfassung der gesetzlich aner-kannten katholischen Kirche mit roher Willkür umzustürzen gesucht, und zu dem Endeauch die Verfassung des eigenen Landes, und die allgemein giltigen Bestimmungen deSVertragsrechtes grundsätzlich verl-tzt. Und als ihre Kanzlciherrlichkcit bei der Ein-führung und Fortführung deS poliiischen Kirchenregiments auf die bekannten Hinter-nisse stieß, und die omnipotenten Allesregierer daS svtliche VerdammungSnrtheil derKirche und der gebildeten Welt vernahmen, gaben sie da der Stimme des Gewissensund Rechtes Gehör? Im Gegentheile! Gleich einer wohlgeschulten Freischärlerroltesuchten auch sie ihr Recht mit der Faust zu beweisen. Welch ein herrliches Beispielsür die umsturzsüchtigen Massen! WaS will man den politischen Freibeuter» aniworten,wen» sie eines Morgens den von Gottes Gnade» Regierenden, zur Rechtferliguugihrer Umsturzgelüste mit den gleichen Rechtö titeln entgegentreten? Anch durchdie Presse habeu die Führer der Umsturzpartei' daS Rechtsbewußtseyn im Volke irre-geleitet und gelobtet; daS Ansehen der Obrigkeiten immer tiefer untergraben; die con-scrvcuiven Elemente der Gesellschaft mit List und Gewalt unterdrück!; und daS öffent-liche Vertrauen erschüttert. Wann hat nnn der beleidigte Piiestergreiö sich je so etwaszu Schulden kommen lassen? Wo ist er je dem Ansehen seines Landesfürsten in seinenöffentlichen Erlassen nahe getreten? Hat er nicht in seinem herrlichen Hirtenbriefe aus-drücklich seine Achtung vor dem Ansehen seines LandeSsürsten ausgedrückt, und daSVolk zum Gehorsam gegen die Obrigkeit in allen bürgerlichen Angelegenheiten aufge-fordert, und demselben selbst nach auSgebrocheuem Conflicte ein rnhigeS Verhalten zurGewissenspflicht gemacht? Wie haben dagegen die hochtrabenden Kanzleiherren gehan-delt? Sie haben die kirchlichgesiante Presse unterdrückt, daS freie Wort zum Sclavender Bureaukratie erniedrigt, den Bischof und seinen pflichttreuen KleruS gelästert, dieeidestreuen Priester wie gemeine Verbrecher behandelt, und vor dem Volke zu brand-marken versucht. Wer steht da auf Seite der Umsturzpartei, der Erzbischof oder daSMinisterium? Wie sollte daS Volk den geweihten Dienern der Kirche Zutrauen schen-ken, und von Ihnen um Gotteswillen der Obrigkeit gehorchen lernen, wenn eSdieselben von seinen Hänptern gerade um der Uebung dieses pflichtmäßigen Ge-horsams willen wie gemeine Verbrecher behandelt sieht? Wodurch haben die Männerdes Umsturzes die poetisch - sociale Krise der jüngsten Vergangenheit noch herbei-geführt? Sie haben dem Volke die Achtung vor der Heiligkeit deS EideSbenommen, und dadurch den Verrath des KrieqerstandeS, der auö dem Volke größten-lheilS sich erneuert, am Fürsten und am Vaterlande vorbereitet. Hat nun etwa auchder edle Streiter für Gottes Sache sich je durch Verbreitung meineidiger Grundsätzeoder durch politischen Treubruch an der Heiligkeit seines geleisteten EideS versündigt?Im Gegentheil! Er hat mit seinem standhaften KleruS den Sturm der Revolutionmuthig ausgehaltc», und nicht bloß selbst seinem Landesfürsten den Eid der Treuegehalten, sondern auch die Unterthanen selbst in der am meisten kritischen Lage zumpflichtmäßigen Gehorsam aufgefordert. Und gerade darum, weil er die Heiligkeit deSEides in jedweden Verhältnissen gewahrt wissen wollte, brach ja die jüngste Verfol-gung auf sein greises Haupt herein. Betrachten wir dagegen die Handlungsweise derbadischen Bureaukratie in der Stunde der Prüfung. Ei» großer Theil jener Hel-den, welche jetzt gegen di'e eidestreuen Priester wüthen, hat in der Stunde der Gefahrseinen Amtöeid gebrochen. Und eine sich christlich nennende Regierung läßt einen über-