Ausgabe 
14 (12.2.1854) 7
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förmlichen Gefechte; viele Schüsse fielen; die Tumultuanlen ergriffen endlich die Flucht,verfolgt von der Polizeimanuschaft, welche etwa sechzig derselben gefangen nahm;vierzehn der Unruhestifter wurden verwundet, einer getödtet.

Antwort des Erzbischofs von Utrecht aus die Adresse der katho-lischen Generalversammlung.

Die Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands , welche imSeptember vorigen JahreS in Wien tagte, hat auch eine Adresse an daS hochwiirdigeEpiskopal Hollands volirt, um in derselben die lebhafteste Theilnahme für die Leidenrinn Kämpfe auszudrücken, welche die niederländischen Katholiken für die Rechte derheiligen Kirche mir so viel Muth und Ausdauer bestanden haben.

Auf diese Adresse ist nun eiu Aniwortschreiben vom hochwürdigsten Herrn Erz-bischof von Utrecht , dem Metropoliten rer holländischen Kirchenprovinz, clei. Tilbnrg,den 3. Jänner 1854, eingelaufen. Der hochwürdigste Herr Erchischos sagt in diesemAntwortschreiben:Die Errichtung der kirchlichen Hierarchie in Niederland ist einhochwichtiges Ereignis), für welches man die göttliche Vorsehung nicht genn^ preisenkann. Nach mehr al' zwcihundcrtjährigen Kämpfen beginnen nun die religiösen An-gelegenheiten dieses Landes, welche so lange auf verschiedene Weise verletzt waren,auf normaler Grundliige sich wieder hcrzusttllen, was bei dem so ausgezeichnet gläu-bigen Sinne dieses Volkes die besten Früchte hoffen läßt. Wie angenehm und tröst-lich ist für mich, die unzweideutigsten Beweise von sein lebhaftesten Interesse zusehen, welches die katholischen Brüder Deutschlands und Oesterr-ichs an den Wohl-thaten nehmen, mit welchen der Himmel ihre Brüder in der Kircheuproviuz Niedcr-lanv begünstigte. Wir werden insgesammt, fest an den Mittelpunkt der Einheit unsanschließend, an diesen unverwüstlichen Felsen, dessen Grundfeste zu unterwühleu dieHolle vergebens versucht, nicht aufhören, den ewigen Vater, von dem jede gute Gabekommt, für die im verflossenen Jahre gütigst gespendeten Wohlthaten zu danken undunsere Bitten mir denjenigen unserer Brüder in Deutschland und Oesterreich zu ver-einigen, damit alle Kinder der Kirche im Glauben verharren und der heiligen Fahnedeö Kreuzes folgen, in welcher die Hoffnung unseres Heiles ruht."

Trost am Grabe.

Johanna von Orvietta, die damals im Orden des heiligen Dominicnö ein Mustervorzüglicher Heiligkeit wurde, besaß schon in ihrer frühesten Jugend einen sehr regen Geistunv gab oft so vernünftige Autworren, wie man sie nur vsn erwachsenen und iu der christ-lichen Vollkommenheit schon weit vorgeschrittenen Personen hätte erwarten können. Früh-zeitig verlor das unglückliche Kind den geliebten Vatcr. Die trostlose Mutter nahm darumgar oft an Sonn- und Feiertagen das zarte Mädchen und führ e eS zum Grabe des uuver-gcßlichen VaierS, um da für seine unsterbliche Seele zu beten Einmal war die Mutter vorinnerer Betrübniß ganz und gar außer sich und beklagte eS mit bittern Thränen, daß derHimmel so srühe schon ihrem Kinde den Vater nahm. Da ergreift Johanna die Hand derguten Muller und spricht:Weißt du'nicht, Mutter! daß wir dort oben noch einenVarcr haben, den Himmelvaler, so gut und lieb? Hast du mich ja beten gelehrt:Vaterunser, der du bist iu den Himmeln!" Diese einfache Bemerkung des frommen KindeSmachle ans das niedergebeugte Mutterherz einen so gewaltigen Eindruck, daß die armeWillwe mit einem Blicke hnliger Freude zuerst gegen den Himmel und dann auf ihr Kindhinsah, dieses voll Liebe umarmte, ihre Thränen trocknete und künftighin nimmer murrteüber die Fügungen der göttlichen Vorsehung. Die Zukunft bewies es aber auch, daß Jo-hanna an G>)tl im Himmel einen gar sorgsamen nnd lieben Varer halte; denn unter dessenGnade und Beistand wuchs sie zn einer herrlichen Blume heran im großen Garten Gottes.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Äerlagg-Inhaber: F. C. Kremer.