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wohner Indiens unterzeichnet und mit bittern Klagen angefüllt hatten. Im Heere derostindischen Compagnie, sagten sie, dienten 16,000 Katholiken, und 107,855 Pfund14 Schill. betrage die jährliche Ausgabe allein für die Staatskirche in Ostindien,während nicht mehr als 5496 Pfund auf die geistlichen Bedürfnisse der Katholikenverwendet würden, die doch eben so zahlreich seyen (oder zahlreicher, selbst wennman Alleö für vollgiltig nimmt, was protestantischerseitS seit etwa zwanzig Jahren an„Namenchristen" und „Regierungschristen" zusammengerafft worden); ein Katholicismusohne Priester sey nicht denkbar, darum darbten sich auch die katholischen Soldatenvon ihrem spärlichen Solve Beisteuern zur Erhal>ung ihrer Geistlichen ab, uuv erstin der Schlacht von Moodkee sey einer ihrer RegimentScapläne gefallen, während erden Sterbenden das Viaticum gereicht; ein protestantischer Bischof in Indien beziehe5500 Pfund jährlicher Besoldung, ein katholischer Bischof dagegen eine Susteuiationvon — 240 Pfund u, f. w. Ob dabei einzelne Männer des englischen Parlamentseine Vergleichung angestellt haben mögen, einerseits dieser katholischen Armuth undNiedrigkeit mit dem seit Jahren unablässig vermehrten Auswaud politischeu, materiellenund geistigen Reichthums und Gewichts am protestantischen MissionSwerk in Ostin-dien, andererseiis zwischen dem fröhlichen Prospcriren jener äußerlich unscheinbarenMission und der völligen Erfolglosigkeit dieser mit allem Glanz und Pomp der Welt-macht auftretenden Anstalten? Schwerlich! Denn in der Ocffentlichkeit ist die prahlendeLüge noch immer Herr über die verzweifelnden Berichte von der trostlosen Wirklichkeit.
Um so mehr verdienen die ausführlichen Geständnisse unsere nähere Betrachtung,welche die vor Kurzem erschienene Biographie eines protestantischen ÄpostelS für In-dien auS der neuesten Zeit seinen hinterlassenen Papieren entnommen und veröffentlichthat. ^) Es ist der Berner Rudolf von Rvdt, ein ehrenhafter Charakter, dermit seiner Wahrheitsliebe und rechtschaffenen Geradheit schon zu Lebzeiten bei seinenMissionScollegen und Vorständen wenig Ehre eingelegt Hai. Bon Rodt war ein inden Bedrängnissen der protestantischen Religionsverwirrung, innerlich tief unglücklicherMann. Schon in der Jugend sah er sich, im Bunde mit einem glcichgesinnten Bru-der, seiner freien kirchlichen Stellung halber in lebhaftem Gegensatze zu einem stren-gen, mit voller Ueberzeugung der refvrmirten Landeskirche angehörenden Balcr. Nur„dem freundlichen, gläubigen Andringen" seitens einer mütterlichen Tante konnte derjunge Mensch nicht widerstehen, und fühlte sich „gewissermaßen gezwungen, sein HerzGott zn übergeben." Von der Berner Akademie begab er sich 1833 nach Genf , wodie neue, vom Staate und seiner Kirche unabhängige „theologische Schule" vorKurzem eröffnet worden war. In der That konnte von einer christlichen Kirche desGenfer Staates damals eigentlich keine Rede mehr seyn; denil „aus Geuf war deralte Ernst calvinischen GlanbcnS längst, gewichen. Die anerkannte Landeskirche hul-digte, bewußt und unbewußt, dem Sociuianismus; aus der andern Seite hatte diefrüher vom Bürgerrecht ganz ausgeschlossene katholische Bevölkerung sich außerordent-lich vermehrt. Die Lehre von der Gottheit Christi dürfte nicht mehr gepredigt werden;die wenigen Geistlichen, die es dennoch thaten, mußten die Kanzel räumen und sicheine eigeue Gemeinde suchen" (Bvutcrweck S. 9). Unter diesen Verhältnissen entstanddann die „evangelische Gesellschaft", welche 1831 die oben erwähnte theologische Schulegründete, auf der unser mehr und mehr mit sich zerfallende Rodt religiöse Bernhignngzu finden hoffen mochte.
Allein unterm 8. Mai 1833 schreibt er bereits an einen Veruer Freund: „Ichhabe nun meinen Aufenthalt geändert, aber nicht meinen Charakter. Ich bin eben. derselbe kalte, gleichgiltige und phlegmatische Rudolf, den Dn in Bern gekannt hast,der Dich aber doch aufrichtig liebt und Dich oft hcrgewünscht hat; denn die Laterne,mit deren Hilse ich gleichgesinnte Freunde suche, ist noch immer angezündet und wird,wie ich fürchte, eS noch eine Zeit lang bleiben müssen. — Ich besitze indessen das