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lige andere Fälle anführen, wo die Feinde der katholischen Kirche Erscheinungenfür Dummheiten ausschreien, die im Grunde nur Ergebnisse der höchsten christlichenWeisheit sind, ohne deren Daseyn das Christenthum selbst Werth und Wirkung ver-lieren würde.
Treten wir von dieser vorläufigen Bemerkung in den Garten der Geschichte,so stehen hier Denksteine mit Buchstaben, die Jedermann lesen und den Vorwurf derkatholischen Volksverdummung darnach bemessen kann. Wer hat denn die Dome inDeutschland, in Belgien und in den Niederlanden, in Italien und Spanien gebaut?Katholiken! und zwar zu einer Zeit, wo nach den evangelischen Vorwürfen die tiefsteNacht, die krasseste Unwissenheit, die üppigste Maienblüthe deS Aberglaubens und derDummheit durch den Papiömus des Mittelalters die europäische Menschheit bedeckten.Könnt Ihr mir auch nur einen einzigen Dom von Bedeutung in Europa zeigen, dendie Reformation, den die evangelische Weisheit gebaut Hai? Diese Riesenblumenhimmlischer Weisheil haben also alle in Gemüthern gekeimt und sind aus Herzen zumewigen Erstaunen der Weit in den Himmel gewachsen, die Ihr als verdummt vonder katholischen Kirche darzustellen seil drei Jahrhunderten eifrig bemüht seyd? Undsie legen Zeugniß ab nicht blos von der Kunst, die Ihr nicht erreichen konntet undnie erreichen werdet, sondern noch weit mehr von der gemeinsamen Opferwilligkeit deskatholischen Volkes, von seiner tiefen Andacht, die laut vor aller Well dem Heilanddient, vom schönsten Gemeinsinn, der Könige und Bettler im herrlichsten Palaste derWelt als gleichberechtigte Brüder ohne Ansehen der Person um den Gott des Altarszur Heiligung und Erfrischung versammelt. Die Gallerten von Rom, Florenz, Mai-land, Paris, Brüssel, München, Dresden, Wien und Madrid mit ihrem staunens-werthen Reichthum von Geist, Schönheit, Andacht und HcilSlehre, nach denen nochjetzt alle Generationen ziehen, um sie zu bewundern und an ihnen sich menschlich aus-zubilden, ohne die das Leben leer, die Gelehrsamkeit schaal und das Evangelium ohneCommentar ist, verdanken ihre Meisterstücke fast ausschließlich der katholischen Kirche ,welche vorzugsweise die Kraft hat, das Licht und die Klarheit himmlischer Wahrheilenin die Gemüther der Menschen auszuströmen und dieselben wieder in Meisterbildernzur Bewunderung und Entdummung der Menschen hervorgehen zu lassen, daß sieunangefochten und siegreich dastehen, bis das letzte Menschenherz auf Erden auSge-athmet hat. Macht es den Kcuholiken einmal nach!
Und die Zeit, wo nach den protestantischen Geschichtschreibern der Druck katho-lischer Dummheit mit unerhörter Bosheit und Tyrannei als Weltplage über Verstandund Herz der Völker gekommen ist, und alles Große und Edle mit cimmerischer Fin-sterniß erstickt hat, die Zeit des Königs Philipp des Zweiten von Spanien , wo zeigtsie uns denn eigentlich die Beweise der Vervnmmung der katholischen Nationen, diesesausschließliche Merkmal unserer Kirche, wenn wir den gewiegten Zeitungsschreibern znFrankfurt am Main glauben wollen? Auf dem Gebiete des christlichen Lebens begeg-nen uns die heilige Theresia von Jesu , welche als innig-fromme geistreiche FrauMännern aller Konfessionen ehrwürdig ist, der heilige Petrus von Alcantara , welcherden ersten Beherrschern der Welt Rath ertheilt hat, ohne von seiner Demuth undstrengen Abtöotung abzulassen, Johannes vom Kreuz , der als Dichter die Mitlebendenfür Christus entzückt, für die Idee der Reform im Haupte uud in den Gliedern derKirche gelebt und gelitten hat, dessen kühnstes Lied von der Liebe Christi uns nochjetzt von seinem Sterbebette auS erschütternd anweht.
Und wer aus Liebe zur demschen Gründlichkeit diese Helden und Heldinnen deskatholischen Lebens, diese goldenen Bilder aus dem Evangelium in Wort uns That,kurzweg unter daS alte Eisen wirft, kommt in nicht geringe Verlegenheit, wenn er zugleicher Zeit mit diesen begeisterten Seelen deS katholischen Kirchenlebens die riesen-haften Dichtergestallen herantreten sieht, deren eine einzige groß genug ist, einer Nationewigen Ruhm zu verleihen: Cervantes von mehr Geist und Witz als die deutscheJournalistik seit drei Jahrhunderten ins Feld gestellt hat; Calderon, der mit seinenDramen im deutschen Volke, durch die romantische Dichterschule aufgeweckt, allge-