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meinen Anklang gefunden und verdient hat; Camoens , der in seiner Lusiade das besteHeldengedicht geliefert, welches die Geschichte der neuern Zeit überhaupt kennt; alledrei welterfahren, aber selbst in ihren Dichterwerken strengkatholische Geister vollDemulh dem Heiland ergeben, voll Begeisterung für das heilige Kreuz, daS die Lei-denschaft der alten und neuen Welt besiegt hat, voll zarter Rücksicht für Schämn undSitte als Grundlagen aller gesellschaftlichen Ordnung auf Erden. Man sieht es diesenMännern nicht an, daß sie zur Zeit gelebt, wo nach den oratorischen Persuchen derdeutschen Buchmachern die grausenvolle Inquisition alle reinen Menschenblüthen unter-drückt hat. Die Männer blicken so frisch und unverkümmert ins Leben, ungeachtetdas Wohlbehagen deS Geldes und Besitzes nicht aus ihrer Seite war, sie entfalteneine so lichte kindlichreine Seele, daß man ihnen keinerlei Dummheit und Stumpfheitanmerkt.
Und das Volk, Hoch und Gering, Geistlich und Weltlich, die ganze Nationhängt an ihnen wie der Bienenschwarm an der Honigblüthe. Es kann nicht ver-dummt gewesen seyn, weil es die weisesten und geistvollsten Führer auserlesen hcu.Und mitten unter diesen Dichterfürsten malt Murillo , der Göttliche, seine Heiligenund Bettelknaben, seine Madonna und seinen Johannes Baptist«, seine Melonenesserund Traubennäscher mit einer Wahrheit und Natürlichkeit, die uns noch jetzt nachdreihundert Jahren die Seele erfrischen. Diese Ultramontanen der Poesie und Knust,diese Jesuiten der Freude und Andacht in Spanien uud Portugal leben noch, trotzder englischen Uneigennützigkeit, trotz der französischen Revolution, trotz der Freimaurer und Bibelschwärzer. Das Volk hat die politische Kraft noch in seinem Innerstenbewahrt. Laßt eS nur katholisch, laßt eS ultramontan seyn, dann färbt eS den Ebround die Berge von Asturien mit Blut für seine Freiheit und Unabhängkeit. Todt istes nur dann, wenn es seinen Katholicismus verliert und dadurch dumm wird.
Dringt uusere Betrachtung von der spanischen Halbinsel hinüber nach Italien ,so finden wir um die nämliche Zeit Papst Leo den Zehnten aus dem Throne derApostelfürsten sitzen, dem man alle möglichen Vorwürfe eher machen kann, als dender Volksverdummung. Rafael von Urbiuo, Michel Angelo Buonarotti, BenevenutoCellini und viele andere geistesmächtige Künstler standen unter seinem Schutze undverdanken zum Theil ihre Größe seiner Freigebigkeit und Kunstliebe. Die Gelehrtenaller Völker fanden an ihm stets einen warmen Vertreter und Freund, wie es viel-leicht nur einmal im deutschen Leben und im verjüngten Maaßstab zu Weimar dage-wesen ist. Die berühmtesten Dichter der Italiener, Torquato Tasso und Ariofto,gehören der Hauptsache nach seinem Zeitalter an und erhielten ihren Dichterwerthanerkannt und verherrlicht vom Lorbeer der ewigen Rom , um sie den christlichen Völ-kern als Meister der Sprache und Poesie desto eindringlicher an'S Herz ju legen.
Wir gestehen, wenn das der Weg zur Volksverdummung durch katholischeSchleichwege ist, so muß man sich um so mehr wundern über die emsigen Begründerdieses Vorwurfs gegen die Katholiken, da sie doch von Morgens bis Abends in einemAthem, so weit er in dieser Zone reicht, von Aufklärung und Abklärung, von zeit-gemäßer Bildung durch Kunst und Wissenschaft, von Intelligenz und Germanenthumreden, was sie retten und ausbreiten wollen. „DaS ist ja wälsch," schreien sie unsfreilich beständig entgegen. Ich frage: Was war denn damals bei Euch deutsch ?Der ReligionSzank, welcher die deutschen Kirchen verstümmelt, die Heiligenbilder ver-unehrt, die Mönche und Nonnen aus ihrem Eigenthum vertrieben hat? Die Selbst-sucht, welche sich unter dem Verwände deS „reinen Evangeliums" mit dem Kircheu-und Klostergute bereichert und die Religion als Domäne der weltlichen Macht unter-worfen hat? Die Menschenliebe, welche die Reformirten, weil sie von ihrem Auf-fassungsvermögen Gebrauch machten so gut wie Ihr, als Sakramentirer auS derStadt hinausgewiesen nach Hanau und Bockenheim, und in Genf den Scheiterhaufenals letztes BekehrungSmiltel in Anwendung brachte, ohne dem Kaiser Sigmund zuKonstanz dasselbe Recht einzuräumen? Der Patriotismus, welcher die Schweden undFranzosen zu Bundesgenossen gegen Deutsche annahm und in diesem saubern Handel